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Freie Software für die Luft- und Raumfahrt

war das Thema der Fellowshiptreffens am 28.10.2015 in Düsseldorf. Konkret ging es um den Einsatz Freier Software beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR).

Als Referent kam Andreas Schreiber, der Leiter der Abteilung “Verteilte Systeme und Komponentensoftware” der Einrichtung “Simulations- und Softwaretechnik” der DLR in Köln-Porz, mit seinem Hund. Erster erwies sich als überzeugter und überzeugender Propagandist der Programmiersprache Python. Letzter wurde als regelmäßiger Teilnehmer von Python-Veranstaltungen vorgestellt und erwies sich als ruhiges und artiges Tier.

Das Treffen, zu dem erfreulich viele Teilnehmer trotz des gleichzeitig stattfindenden ORGA-Treffens der OpenRheinRuhr, einer Pflichtveranstaltung für einige regelmäßige Teilnehmer, erschienen waren, begann mit der Vorstellungsrunde.

Zu erwähnen ist, dass auch Max Mehl, der Koordinator des deutschen FSFE-Teams, zu den Teilnehmern zählte.

Nachdem Andreas sich und die Forschungsgebiete des DLR, beileibe nicht nur Luft- und Raumfahrt, vorgestellt hatte, ging es um die Softwareforschung und -entwicklung nicht nur in der Einrichtung “Simulations- und Softwaretechnik”, sondern in allen 33 DLR-Instituten. Die Einrichtung “Simulations- und Softwaretechnik” hat etwa 50 Mitarbeiter an drei Standorten in Deutschland. Andreas stellte kurz die aktuellen (Software-)Forschungsgebiete vor und wartete dann mit beindruckenden Zahlen auf: Mehr als 1200 DLR-Mitarbeiter entwickeln Software, die Personalkosten für die Softwareentwicklung betragen mehr als 100 Mio. €. Damit kann man das DLR als eines der größten “Softwarehäuser” Deutschlands bezeichnen.

Die große Zahl an Softwareprojekten macht die Übersicht über die existierende Software schwierig. Es wird in zunehmendem Maße neben proprietärer Software Freie Software entwickelt und eingesetzt. Daher gibt es viele Fragen zu und Probleme mit Lizenzen Freier Software. Es werden daher eine Informationsbroschüre und Schulungen zu “Open-Source-Lizenzrecht” angeboten. Die Broschüre gelangte beim Fellowshiptreffen trotz des Aufdruckes “nur für den internen Gebrauch” zur Verteilung und soll in der nächsten Auflage unter einer freien Lizenz stehen. An ihrer Erstellung haben anerkannte Rechtsexperten für das Recht der Lizenzen Freier Software mitgewirkt.

Der Referent stellte uns auch die weiteren Arbeitsmittel für den Softwareeinsatz und die Softwareentwicklung vor.

Das DLR verfolgt eine “Open-Source-Strategie” und “-Agenda”, welche die Migration hin zu Freier Software und im speziellen nach Python, als einheitlicher Sprache für viele Anwendungen, vorsieht. Wer sich beim DLR bewerben will, kann daher mit Python-Kenntnissen Vorteile erlangen. Mit einer gewissen Verwunderung nahmen die Teilnehmer zur Kenntnis, dass derzeit Fortranprogramme noch unentbehrlich sind. Aber der Referent konnte dies nachvollziehbare mit dem technischen Stand der Compilerentwicklung für diese Sprache erklären. Gleichwohl konnte uns Andreas anhand hübsch bebilderter Beispiele den Einsatz von Python auch für anspruchsvolle Berechnungen zeigen. Allerdings fiel der Performancevergleich gegenüber einer hochoptimierten Fortranversion noch etwas ernüchternd aus.

Mit Beifall wurde die Erklärung, dass das DLR keine eigene Freie-Software-Lizenz entwickeln werde, aufgenommen.

Andreas brachte zum Schluss seines Referats Beispiele für veröffentlichte Freie Software, die vom DLR entwickelt und inzwischen von Dritten genutzt wird.

Interessant waren auch die Einblicke in die Arbeitskultur am DLR, die uns Andreas vor allem anekdotisch vermittelte.

Freundlicherweise hat er auch seine Folien veröffentlicht. Leider musste er uns nach seinem Vortag recht zügig wegen eines Termins in Norddeutschland am nächsten Morgen verlassen.

Einer der Teilnehmer merkte an, dass dieser Vortrag einer gewesen sei, bei dem jeder Satz Stoff für einen eigenen Vortrag geboten und das Interesse an einem solchen geweckt habe. Dies führt zu dem Wunsche, Andreas Schreiber zukünftig weitere Male in unserer Runde begrüßen zu dürfen. Vielen Dank daher für diesen hochinteressanten und in Bezug auf das Engagement für Freie Software ermunternden Vortrag!

Das Referat auf dem letzten regulären Fellowshiptreffen dieses Jahres in Düsseldorf wird dictvm vom Chaosdorf am 25.11.2015 halten. Er wird ansible vorstellen. Das Treffen beginnt wie immer um 19:30 Uhr. Um 20:00 Uhr beginnen wir mit dem „offiziellen“ Teil. Wer später kommt, verpasst also was.

Gäste sind bei diesem Treffen wie immer herzlich willkommen.

Nachtrag: Auch auf europäischer Ebene hat die Strategie des DLR Beachtung gefunden. Es freut den Chronisten, dass dort auch dieser Beitrag als Quelle zitiert wurde.

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