FSFE Fellowship Vienna

Reports from the fellowship group in Vienna

Technoethical T400s Review

T400s review

Ich möchte hier nur meine Erfahrung teilen. Ich bin in keiner Weise mit Technoethical verbunden und profitiere nicht von einem eventuell erhöhten Umsatz.

Mein Hintergrund

Als ich mich 2008 entschloss Windows endgültig hinter mir zu lassen entschied ich mich für ein Billignotebook von Acer. Weil auch damals im Handel fast ausschließlich Computer mit Windows oder Apple vorinstalliert angeboten wurden, hoffte ich diesem Zwang über die Wahl eines Computers zu entkommen auf dem GNU/Linux bereits vorinstalliert war. Leider hatte das am Acer Extensa 5220 vorinstallierte Linplus Linux nicht mal eine grafische Oberfläche. Weil ich noch ein absoluter Neuling mit Freier Software war entschied ich mich stattdessen Debian zu installieren. Das funktionierte zwar großteils grundsätzlich einwandfrei, aber es war die aus Freier Software Sicht schlimmstmögliche WLAN-Karte eingebaut. Es ist mir auch mit vielen späteren Basteleinen nie gelungen auf diesem Gerät mit Freier Software das WLAN zu verwenden.

Hardware

Weil das alte Billignotebook nach 9 Jahren doch langsam den Geist aufgibt und immer öfter abstürzt habe ich mir kürzlich ein ThinkPad T400s vom rumänischen Anbieter Technoethical bestellt. Es handelt sich dabei um ein ausgezeichnetes Notebook von Lenovo, das 2009 als etwa 2.000 Euro teures High-End Gerät auf den Markt kam. Ich habe es um nicht mal 900 Euro in der bestmöglichen Ausstattungsvariante bekommen. Maximaler Speicher (8 GB), stärkster Prozessor (SP9600 mit 2.53 GHz statt SP9400 2,4 GHz Dualcore), 128 SSD satt HDD, ein völlig neuer, besserer Bildschirm (1440×900 Pixel), ein Adapter um das eingebaute CD/DVD-Laufwerk durch eine weitere Festplatte ersetzen zu können.

Die Qualität des neu eingebauten Bildschirms ist großartig und anscheinend besser als beim Original. Wie üblich bei älteren Lenovo ThinkPads ist die Verarbeitungsqualität exzellent, die Tastatur beispielhaft und das Touchpad sehr komfortabel. Mich hat auch überrascht, dass ein doch schon einige Jahre altes Notebook derart leicht und handlich sein kann. Es hat offenbar schon einen Grund warum das Ding damals so teuer war.

Vermutlich werden sich jetzt trotzdem einige denken, dass es heutzutage leicht ist Geräte zu kaufen, die für weniger Geld performantere Komponenten bieten. Doch abgesehen davon, dass nicht nur die Performanz sondern vor allem auf längere Sicht hauptsächlich die Verarbeitungsqualität zählt, möchte ich auf eine aus meiner Sicht sehr wichtige Besonderheit dieses Notebooks hinweisen: Das Gerät kommt mit Libreboot. Das ist ein freies Bios, dass nur auf einer Hand voll verschiedener (meist deutlich älterer) Geräte weltweit lauffähig ist. Am Technoethical T400s ist die seit etwa 10 Jahren auf allen aktuellen Rechnern vorhandene Hardware-Parallelstruktur deaktiviert, die es ermöglicht auch um eine Vollverschlüsselung herum auf die einzelnen Hardwarekomponenten zuzugreifen und auf diesem Weg beispielsweise Arbeitsspeicher auszulesen und Daten über das Netzwerk zu senden ohne, dass das Betriebssystem das überhaupt mitbekommen kann. Bei Intel nennt sich das Management Engine, oder kurz Intel ME. Wer mehr dazu wissen will, kann sich den detaillierten Vortrag von der Chaos Computer Club Konferenz 2015 ansehen.

Software

Als Betriebssystem kommt gleich vorinstalliert Trisquel. Das ist ein Derivat von Ubuntu, das im Gegensatz zu Ubuntu völlig ohne proprietäre Erweiterungen auskommt. Die meisten Leute verwenden Ubuntu weil das am bequemsten ist wenn sie irgendeine nicht spezifisch für Freie Software vor ausgesuchte Hardware haben. Da sich bei diesem Gerät die Leute von Technoethical aber bereits die Mühe gemacht haben nur Komponenten zu verwenden, die zuverlässig mit komplett Freier Software laufen, klappt in diesem Fall auch mit dem vollständig freien Trisquel alles klaglos. (Selbstverständlich macht aber auch irgendein anderes Ubuntu darauf keinerlei Kapriolen.)

Ansprüche

Meinem Eindruck nach brauchen nur wenige Leute tatsächlich performantere Hardware. Wer nicht gerade die neuesten Blockbuster spielen will, 3D-Entwicklung betreibt oder HD-Videos bearbeitet, wird seine alltäglichen Aufgaben mit diesem Gerät sicher klaglos und zuverlässig abwickeln können. Ich arbeite als Grafiker und kann mit dem Notebook problemlos Druckvorlagen erstellen, Webseiten entwickeln oder Bilder bearbeiten. Den üblichen Medienkonsum über YouTube oder normale Bürotätigkeiten schafft die Hardware meiner Erfahrung nach spielend.

Kleine Schwäche

Ein kleiner Nachteil ist der eher schwache verbaute Akku. Ich komme damit bei aktivem WLAN auf nur wenig mehr als zwei Stunden. Freilich könnte ich einen neuen Akku um etwa 30 Euro bestellen, mit dem ich dann vermutlich auf etwa 3 Stunden kommen könnte, aber da ich sowieso nur selten abseits einer Stromversorgung arbeite, stört mich das kaum.

In der ausgelieferten Version hat das Technoethical T400s auch tatsächlich das Respects Your Freedom-Label der Free Software Foundation bekommen. Und das ist eine hohe Auszeichnung, die eben nur ganz wenige Geräte weltweit erreichen. Das Team von Technoethical hat mich mit seinem Engagement, seiner beispielhaften Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ebenso beeindruckt.

Unsere Verantwortung

Ich bin sehr froh diesen Anbieter gefunden zu haben und empfinde es als ebenso einfachen wie wertvollen Dienst an der Allgemeinheit nicht irgendwelche mit Windows oder Apple vorinstallierte Hardware zu kaufen, sondern dabei zu helfen, dass sich idealistisch motivierte Anbieter wie dieser kleine Händler behaupten können. Auf diesem Weg können wir zeigen, dass es einen Markt für Hardware gibt, die ohne proprietäre Software kommt und keine Treiberprobleme mit Freier Software hat.

Fazit

Wer also ein Notebook sucht um völlig sorgenfrei mit ausschließlich Freier Software arbeiten zu können, dem kann ich dieses Gerät nur ans Herz legen.

One Response to “Technoethical T400s Review”

  1. gregor Says:

    danke für deinen Erfahrungsbericht!

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