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Datenschutz besser richtig

Friday, May 25th, 2018

Es wirkt auf den ersten Blick beeindruckend, dass sich die EU dazu durchringen konnte eine teilweise sehr strenge Datenschutzgrundverordnung zu erlassen. Doch das Ergebnis erscheint mir aus mehreren Gründen höchst fragwürdig.

Überblick

Die DSGVO schafft keine klaren Regeln. Die rechtlich nötigen Abwägungen sind ebenso komplex wie ihre Effektivität ungewiss ist. Die technischen und administrativen Anforderungen überfordern kleine Datenverarbeiter_innen und stellen sie dadurch unter Druck ihre Datenverarbeitung großen Konzernen zu überlassen. Das weiterhin völlig ignorierte Problem der proprietären Software konterkariert die sonst strengen Auflagen. Zusätzlich lässt das SHIELD-Abkommen weiterhin Praktiken zu, die klar dem Zweck des Datenschutzes widersprechen. Die Zentralisierung der Sammlung von personenbezogenen Daten wird mit der DSGVO unterm Strich sogar noch verstärkt und so das Problem einer unterschiedlichen Behandlung von Einzelpersonen gemäß beliebiger Selektoren vergrößert.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Besonderheiten einer Arbeit mit Ehrenamtlichen offenbar nicht bedacht wurden. Ehrenamtliche sind weder Kunden, noch Angestellte. Sie sind nicht weisungsgebunden, arbeiten aber trotzdem mit. Welche Rechte und Pflichten sollen für sie gelten?

Wir tauschen mit der DSGVO den vielleicht unerwünschten Bettelbrief eines kleinen lokalen Vereins gegen eine vollständige Analyse unserer täglichen Aktivitäten und den Weiterverkauf der Erkenntnisse an all jene, die für diese Daten bezahlen wollen. Wir können jedenfalls nicht erwarten, dass die DSGVO uns davor schützt Aufgrund unserer protokollierten Aktivitäten unfreiwillig unterschiedlich behandelt zu werden. Leider führt das nicht nur dazu, dass uns je nach Wohlstand und Lebensstil unterschiedliche Produkte und Preise gezeigt werden. Auch Regierungen behandeln auf diesem Weg ihre Bürger_innen gezielt unterschiedlich. Das ist kein kein abschreckendes Schauermärchen, sondern auch in Österreich längst gelebter Alltag. Es ist beispielsweise längst normal, dass Parteien Facebook dafür bezahlen Menschen unterschiedliche Botschaften anzuzeigen – je nachdem welche frei wählbaren Attribute auf sie zutreffen. Und Facebook darf laut DSGVO als Unternehmen im SHIELD-Abkommen weitermachen, wie bisher.

Sowohl die Datenschutzanforderungen als auch die Rechtsunsicherheit und das Ausmaß der möglichen Strafen können praktisch nur von riesigen Konzernen bewältigt werden. Deswegen kann die neue Datenschutzgrundverordnung nur den Effekt haben, dass immer mehr personenbezogene Daten vernetzt ausgewertet werden und wir als Einzelpersonen immer weniger Chancen haben uns dieser systematischen Durchleuchtung und automatisierten Klassifizierung zu entziehen.

Eine theoretisch starke Grundlage

Laut DSGVO ist die Verarbeitung personenbezogener Daten (Namen, Adressen, Telefonnummern, Nutzungsprofile, etc.) grundsätzlich verboten. Das ist ein wesentlicher Fortschritt weil Datenschutz damit zur Grundvoraussetzung wird. Es macht jede Verarbeitung persönlicher Daten zu einer Ausnahme, die gut begründet sein muss. Personenbezogene Daten dürfen demnach nur unter bestimmten Voraussetzungen verarbeitet werden. Alle müssen dokumentieren wie sie welche Daten erheben, verwalten, absichern und verwenden und sie müssen auch darlegen aufgrund welcher Ausnahmen sie der Meinung sind das tun zu dürfen. Zusätzlich muss das den betroffenen Personen rechtzeitig, unübersehbar und gut verständlich kommuniziert werden.

Rechtsunsicherheit

Die Stärke der Konzeption von Datenschutz als Grundvoraussetzung ist leider auch gleichzeitig eine beachtliche Schwäche: Erst Gerichte entscheiden im Streitfall ob eine argumentierte Begründung für die Ausnahme vom Verbot personenbezogene Daten zu verarbeiten akzeptiert wird. Das schafft Rechtsunsicherheit für all jene, die auf die Verarbeitung personenbezogener Daten angewiesen sind. Es gibt nämlich dadurch keine klaren Vorgaben, deren Einhaltung sicherstellen könnte nicht bestraft zu werden. Datenverarbeiter_innen müssen ihre Aktivitäten erklären und darlegen aufgrund welcher Rechtsbasis sie meinen das alles tun zu dürfen. Das bevorzugt natürlich große Konzerne, die eigene Technik- und Rechtsabteilungen einrichten können, um ihr Risiko zu minimieren. Kleinere Unternehmen oder Vereine können diesen Zusatzaufwand nicht leisten. Es gibt mittlerweile viele tausende Seiten zur DSGVO, die eigentlich alle kennen und verstehen müssten, die persönliche Daten verarbeiten. Zusätzlich äußern Expert_innen zur DSGVO widersprüchliche Auffassungen darüber welche Maßnahmen notwendig sind.

Technische Anforderungen

Egal ob eine engagierte Bürgerin Unterschriften für eine Petition sammelt oder ob ein Konzern eine neue App herausgibt, die Gesprächsdaten weltweit auswertet. Die Datenschutzanforderungen sind für alle gleich. Ist es sinnvoll oder realistisch zu erwarten, dass eine Person, die sich zivilgesellschaftlich engagiert, zuerst mit Lösch- und Informationsvorschriften befasst, technisch entsprechende Routinen umsetzt und juristisch haltbar argumentiert wieso sie die gesammelten Unterschriften auf die detailliert durchgeplante Weise verwenden darf? Kann sie realistisch eine technische Zuverlässigkeit ihrer Datenverarbeitungslösung im Qualitätsausmaß von Google gewährleisten? Können wir von ihr erwarten jederzeit innerhalb kürzester Zeit auf Anfrage eine Komplettaufstellung aller Daten über eine einzelne Person ausfolgen zu können?

Wir alle haben Unmengen von E-Mails und es ist auch im Prinzip möglich eine Liste mit allen einzelnen Nachrichten zu erstellen. Doch wenn die Kommunikation mehr als nur wenige Nachrichten umfasst und eventuell andere Kommunikationskanäle wie Telefon oder Messenger-Dienste im Einsatz waren, ist es uns nur unter großem Aufwand – und vermutlich nicht lückenlos – möglich diese Daten zusammenzustellen. Das wäre nur über eine völlige Zentralisierung all dieser Kommunikationskanäle mit vertretbarem Aufwand realisierbar. Eine Datenbestandsabfrage kann schnell zum Alptraum werden wenn wir sie ernst nehmen und nicht nur lapidar antworten, dass wir natürlich irgendwo in irgendeiner Form alle Nachrichten haben, die sie uns über verschiedene Kanäle geschickt hat. Ähnlich unrealistisch erscheint mir die Anforderung all diese Daten zuverlässig löschen zu können.

Wenn die Datenschutzauflagen tatsächlich ernst genommen werden, dann sind sie unvereinbar mit der gängigen Praxis. Bei großen Konzernen ist es noch irgendwie vorstellbar, dass es ihnen gelingt mit großen Teams Prozesse zu entwickeln, die DSGVO-konform sind. Die meisten Vereine können noch nicht mal eine Systemadministration finanzieren. Kleine Datenverarbeiter_innen haben meiner Einschätzung nach zum Beispiel keine Chance die Verfügbarkeitsanforderungen der Infrastruktur oder Informations- und Löschpflichten technisch umzusetzen, da in vielen Hinsichten keine Software mit den dafür nötigen Funktionen existiert. Datenschutzberater_innen empfehlen daher jetzt tatsächlich die Nutzung zentralisierter Datensammler wie Google. Unabhängige Lösungen erscheinen ihnen als zu gefährlich weil sie erkennen, dass die Datenschutzanforderungen klein strukturiert nicht praktikabel erfüllbar sind.

Privatverfahren

Der Umstand, dass laut DSGVO Privatpersonen wegen Datenschutzverletzungen selbst dann Schadenersatzforderungen einklagen können wenn ihnen kein messbarer Schaden aus der Verletzung ihrer Datenschutzrechte entstanden ist, lässt befürchten, dass dies eine Flut von Privatklagen aus beliebigen Gründen verärgerter Personen provoziert. Wer einem Unternehmen schaden will, kann zu diesem Zweck absichtlich Kontakt herstellen und dann seine Auskunftspflicht in Anspruch nehmen und die Löschung beantragen. Das allein wäre in vielen Fällen sicher schon eine erhebliche administrative Belastung. Wenn dann auch noch eine Klage hinzukommt weil die Person eine Lücke finden konnte, ist auch die Verwicklung in einen Prozess möglich, der durch die potenzielle Strafhöhe leicht einem Vernichtungsschlag gleichkommen kann.

Strafhöhenbemessung

Großkonzerne wie Google können nur Strafen von bis zu maximal 4 Prozent ihres Jahresumsatzes bekommen während selbst kleine Vereine mit einer Maximalstrafe von bis zu 20 Millionen Euro bedroht sind, die meist über das Zehntausendfache ihres Jahresumsatzes bedeuten. Das ist eine extreme Bevorzugung multinationaler Konzerne und behindert kleine Strukturen. Kleine Vereine werden mit dem Ruin und einer lebenslangen persönlichen Verschuldung des Vorstandes bedroht während große Konzerne schlimmstenfalls reduzierte Profite machen.

SHIELD-Abkommen

Laut DSGVO dürfen weiterhin Dienste von amerikanischen Unternehmen genutzt werden, die das SHIELD-Abkommen unterzeichnet haben. Darunter sind die ganz großen Unternehmen wie Facebook und Google, von denen bekannt ist, dass ihr Geschäft auf dem Handel mit personalisierten Daten basiert. Wie glaubwürdig ist eine Datenschutzmaßnahme, die nicht nur weiterhin den Betrieb genau jener Infrastrukturen erlaubt, die vermutlich der Anlass für den Wunsch waren ernsthafte Datenschutzgesetze zu erlassen, sondern die dazu führt, dass Datenschutzbeauftragte jetzt sogar von Alternativen zu globalisierten Diensten abraten müssen wenn sie ihre Klient_innen nicht der Gefahr aussetzen wollen Geldstrafen in vernichtenden Höhen zu bekommen? Wie kann gerechtfertigt werden, dass trotz DSGVO andere Leute weiterhin meine Kontaktdaten an Facebook übermitteln dürfen obwohl ich noch nicht mal auf Facebook bin? Ist es nicht genau diese Art unerwünschter Datenverarbeitung, die verhindert werden soll? Eine kleine NGO, die mir eventuell einen unerwünschten Newsletter schickt, ist aus meiner Sicht ein wesentlich kleineres Problem als ein weltumspannendes Verarbeitungssystem, das meine online-Aktivitäten praktisch lückenlos dokumentiert und die daraus gewinnbaren Rückschlüsse vermarktet.

Das SHIELD-Abkommen kann die unerwünschte Vermarktung von personenbezogenen Daten nicht behindern weil es sonst unmöglich wäre, dass genau jene Unternehmen im SHIELD-Abkommen sind, deren Haupteinnahmequelle die Vermarktung ebendieser Daten ist. Wer sich eine Rechtsabteilung leisten kann, die entsprechende Verträge aushandelt, kann offensichtlich weiter tun, was die DSGVO vermeintlich verhindern soll. Anders ist auch nicht erklärbar, dass zwar Facebook und Windows als kompatibel gelten aber ein Verschlüsselungsservice wie Signal nicht. Eine eigene Anwendung, deren Daseinsberechtigung verschlüsselte Kommunikation ist, entspricht nicht der DSGVO während ein System, das für den Handel mit personenbezogenen Daten bekannt ist, unproblematisch sein soll. Dabei tun beide nominell das Selbe: Sie verarbeiten personenbezogene Daten auf Servern außerhalb der EU. Freilich in wesentlich unterschiedlichem Umfang. Doch erstaunlicherweise gilt die beliebige Nutzung von vielfältigen Daten als weniger problematisch als die nur sehr gezielte Nutzung von wenigen Daten.

Riesige blinde Flecken

Wenn die DSGVO tatsächlich zum Ziel hat uns allen die Möglichkeit einzuräumen mehr Kontrolle über die Verarbeitung personenbezogener Daten zu auszuüben, dann ist es völlig absurd die großen Probleme zu ignorieren, die von proprietärer Software ausgehen. Nur Freie Software ermöglicht eine zuverlässige unabhängige Kontrolle der Abläufe in den eingesetzten Programmen. Uns weiterhin blind auf den bloß versprochenen Datenschutz in proprietärer Software zu verlassen, ist angesichts immer wieder aufgedeckter Skandale absurd. Wenn wir Datenschutz ernst nehmen wollen, können wir keine Software akzeptieren, die geheim hält, was in ihr passiert. Weder Geräte mit Windows, OSX, iOS noch Android erlauben uns eine echte unabhängige Kontrolle. Nur wenn wir eine lückenlos freie GNU/Linux-Distribution wie Trisquel einsetzen, haben wir wenigstens die Chance ausschließlich Werkzeuge zu nutzen, von deren Vertrauenswürdigkeit wir uns überzeugen konnten. Freilich setzt das voraus, dass wir nicht irgendeine Hardware kaufen und schon im Vorfeld Komponenten wählen, für die freie Treiber verfügbar sind.

Unterm Strich habe ich den Eindruck, dass gutgemeint nicht gutgemacht ist. Es zeichnet sich ab, dass die DSGVO in der Praxis zu mehr zentralisierter Datenverarbeitung (hauptsächlich in den USA) führt und kleine Unternehmen und Vereine gefährdet bzw. schwer belastet.

Dass die österreichischen Regierung plant die Datenschutzbehörde ohnehin nur Warnungen aussprechen zu lassen und niemanden bestrafen zu dürfen, verstößt höchstwahrscheinlich gegen EU-Recht.

Technoethical T400s Review

Saturday, August 19th, 2017
T400s review

Ich möchte hier nur meine Erfahrung teilen. Ich bin in keiner Weise mit Technoethical verbunden und profitiere nicht von einem eventuell erhöhten Umsatz.

Mein Hintergrund

Als ich mich 2008 entschloss Windows endgültig hinter mir zu lassen entschied ich mich für ein Billignotebook von Acer. Weil auch damals im Handel fast ausschließlich Computer mit Windows oder Apple vorinstalliert angeboten wurden, hoffte ich diesem Zwang über die Wahl eines Computers zu entkommen auf dem GNU/Linux bereits vorinstalliert war. Leider hatte das am Acer Extensa 5220 vorinstallierte Linplus Linux nicht mal eine grafische Oberfläche. Weil ich noch ein absoluter Neuling mit Freier Software war entschied ich mich stattdessen Debian zu installieren. Das funktionierte zwar großteils grundsätzlich einwandfrei, aber es war die aus Freier Software Sicht schlimmstmögliche WLAN-Karte eingebaut. Es ist mir auch mit vielen späteren Basteleinen nie gelungen auf diesem Gerät mit Freier Software das WLAN zu verwenden.

Hardware

Weil das alte Billignotebook nach 9 Jahren doch langsam den Geist aufgibt und immer öfter abstürzt habe ich mir kürzlich ein ThinkPad T400s vom rumänischen Anbieter Technoethical bestellt. Es handelt sich dabei um ein ausgezeichnetes Notebook von Lenovo, das 2009 als etwa 2.000 Euro teures High-End Gerät auf den Markt kam. Ich habe es um nicht mal 900 Euro in der bestmöglichen Ausstattungsvariante bekommen. Maximaler Speicher (8 GB), stärkster Prozessor (SP9600 mit 2.53 GHz statt SP9400 2,4 GHz Dualcore), 128 SSD satt HDD, ein völlig neuer, besserer Bildschirm (1440×900 Pixel), ein Adapter um das eingebaute CD/DVD-Laufwerk durch eine weitere Festplatte ersetzen zu können.

Die Qualität des neu eingebauten Bildschirms ist großartig und anscheinend besser als beim Original. Wie üblich bei älteren Lenovo ThinkPads ist die Verarbeitungsqualität exzellent, die Tastatur beispielhaft und das Touchpad sehr komfortabel. Mich hat auch überrascht, dass ein doch schon einige Jahre altes Notebook derart leicht und handlich sein kann. Es hat offenbar schon einen Grund warum das Ding damals so teuer war.

Vermutlich werden sich jetzt trotzdem einige denken, dass es heutzutage leicht ist Geräte zu kaufen, die für weniger Geld performantere Komponenten bieten. Doch abgesehen davon, dass nicht nur die Performanz sondern vor allem auf längere Sicht hauptsächlich die Verarbeitungsqualität zählt, möchte ich auf eine aus meiner Sicht sehr wichtige Besonderheit dieses Notebooks hinweisen: Das Gerät kommt mit Libreboot. Das ist ein freies Bios, dass nur auf einer Hand voll verschiedener (meist deutlich älterer) Geräte weltweit lauffähig ist. Am Technoethical T400s ist die seit etwa 10 Jahren auf allen aktuellen Rechnern vorhandene Hardware-Parallelstruktur deaktiviert, die es ermöglicht auch um eine Vollverschlüsselung herum auf die einzelnen Hardwarekomponenten zuzugreifen und auf diesem Weg beispielsweise Arbeitsspeicher auszulesen und Daten über das Netzwerk zu senden ohne, dass das Betriebssystem das überhaupt mitbekommen kann. Bei Intel nennt sich das Management Engine, oder kurz Intel ME. Wer mehr dazu wissen will, kann sich den detaillierten Vortrag von der Chaos Computer Club Konferenz 2015 ansehen.

Software

Als Betriebssystem kommt gleich vorinstalliert Trisquel. Das ist ein Derivat von Ubuntu, das im Gegensatz zu Ubuntu völlig ohne proprietäre Erweiterungen auskommt. Die meisten Leute verwenden Ubuntu weil das am bequemsten ist wenn sie irgendeine nicht spezifisch für Freie Software vor ausgesuchte Hardware haben. Da sich bei diesem Gerät die Leute von Technoethical aber bereits die Mühe gemacht haben nur Komponenten zu verwenden, die zuverlässig mit komplett Freier Software laufen, klappt in diesem Fall auch mit dem vollständig freien Trisquel alles klaglos. (Selbstverständlich macht aber auch irgendein anderes Ubuntu darauf keinerlei Kapriolen.)

Ansprüche

Meinem Eindruck nach brauchen nur wenige Leute tatsächlich performantere Hardware. Wer nicht gerade die neuesten Blockbuster spielen will, 3D-Entwicklung betreibt oder HD-Videos bearbeitet, wird seine alltäglichen Aufgaben mit diesem Gerät sicher klaglos und zuverlässig abwickeln können. Ich arbeite als Grafiker und kann mit dem Notebook problemlos Druckvorlagen erstellen, Webseiten entwickeln oder Bilder bearbeiten. Den üblichen Medienkonsum über YouTube oder normale Bürotätigkeiten schafft die Hardware meiner Erfahrung nach spielend.

Kleine Schwäche

Ein kleiner Nachteil ist der eher schwache verbaute Akku. Ich komme damit bei aktivem WLAN auf nur wenig mehr als zwei Stunden. Freilich könnte ich einen neuen Akku um etwa 30 Euro bestellen, mit dem ich dann vermutlich auf etwa 3 Stunden kommen könnte, aber da ich sowieso nur selten abseits einer Stromversorgung arbeite, stört mich das kaum.

In der ausgelieferten Version hat das Technoethical T400s auch tatsächlich das Respects Your Freedom-Label der Free Software Foundation bekommen. Und das ist eine hohe Auszeichnung, die eben nur ganz wenige Geräte weltweit erreichen. Das Team von Technoethical hat mich mit seinem Engagement, seiner beispielhaften Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ebenso beeindruckt.

Unsere Verantwortung

Ich bin sehr froh diesen Anbieter gefunden zu haben und empfinde es als ebenso einfachen wie wertvollen Dienst an der Allgemeinheit nicht irgendwelche mit Windows oder Apple vorinstallierte Hardware zu kaufen, sondern dabei zu helfen, dass sich idealistisch motivierte Anbieter wie dieser kleine Händler behaupten können. Auf diesem Weg können wir zeigen, dass es einen Markt für Hardware gibt, die ohne proprietäre Software kommt und keine Treiberprobleme mit Freier Software hat.

Fazit

Wer also ein Notebook sucht um völlig sorgenfrei mit ausschließlich Freier Software arbeiten zu können, dem kann ich dieses Gerät nur ans Herz legen.

Strom: Smart Meter Opt-Out

Friday, July 7th, 2017

Die Wiener Netze haben im Juni 2017 ein unscheinbares Schreiben zur Änderung der allgemeinen Stromverteilernetzbedingungen geschickt, in denen ein Link zu einem PDF-Dokument enthalten ist, der unter anderem erklärt unter welchen Bedingungen wir auf sogenannte “intelligente Messgeräte” verzichten dürfen. Darin wird auf Seite 6 erklärt, dass die Wiener Netze zum Einbau von Smart Metern verpflichtet wären.

Meiner Einschätzung nach können wir uns letztlich nicht zuverlässig gegen den Einbau von digitalen Messgeräten wehren, da es erlaubt ist selbst dort digitale Standardgeräte zu installieren, wo wir sie explizit ablehnen. Dort sollen digitale Messgeräte bloß in einem anderen Modus betrieben werden. Es erscheint jedenfalls zweifelhaft ob dort dann tatsächlich Geräte installiert werden, die zum Beispiel die oft genannten Daten im 15 Minuten Intervall gar nicht erheben können weil digitale Geräte softwareseitig ja nachträglich sowieso beliebig verändert werden können. Abgesehen davon gibt es diverse Ausnahmebestimmungen, die es den Wiener Netzen erlauben solche Daten in jedem Fall auszulesen.

Ganz allgemein sind das wieder mal Vertragsbedingungen, denen meiner Einschätzung nach niemand bei Verstand jemals freiwillig zustimmen möchte. Sie etablieren sich vermutlich wieder mal nur weil solche Bedingungen fast ausschließlich ungelesen akzeptiert werden, denn kaum jemand möchte sich ein aufmerksames Lesen dieses Vertrages antun weil alle davon ausgehen, dass das schon akzeptabel sein wird weil alle dem zustimmen müssen wenn sie Strom beziehen wollen und sie niemanden kennen, der das nicht tut. Das ändert allerdings nichts an dem Umstand, dass die Bedingungen solcher Verträge ganz und gar nicht in unserem Interesse sind.

Zitate

X. Messung und Messeinrichtungen (Seite 6)

Die Verpflichtung zum Einbau von intelligenten Messgeräten (Smart Meter) ist den Wiener Netzen gemäß § 83 Abs. 1 ElWOG in Zusammenhang mit der Intelligente Messgeräte-Einführungsverordnung (IME-VO) vorgeschrieben. … Die Wiener Netze haben den Netzkunden schriftlich und zeitnah über den Einbau eines intelligenten Messgerätes und die damit verbundenen Rahmenbedingungen, insbesondere im Hinblick auf Datenschutz sowie Bereitstellung und Übermittlung der Informationen gemäß §§ 81a bis 84a ElWOG, zu informieren. Netzkunden, die bis Ende 2019 nicht mit einem intelligenten Messgerät ausgestattet wurden, ist von den Wiener Netzen der Grund hierfür mitzuteilen. …

4. Der Wunsch eines Endverbrauchers, kein intelligentes Messgerat zu erhalten, kann erst nach der Ankündigung des Netzbetreibers über den geplanten Einbau eines intelligenten Messgerätes berücksichtigt und bearbeitet werden. Erklärungen des Endverbrauchers vor diesem Zeitpunkt werden vom Netzbetreiber nicht berücksichtigt.

5. Im Falle eines Kundenwunsches, kein intelligentes Messgerat zu erhalten, kann der Netzbetreiber einen digitalen Standardzahler (laut Definition in den geltenden sonstigen Marktregeln) einsetzen. Dies wird im Zählerdisplay angezeigt.

Auf stop-smartmeter.at können mehr Infos und Formulare zur Ablehung von SmartMetern heruntergeladen werden.

Redlichkeit am Computer

Saturday, September 3rd, 2016

Ich stoße immer wieder auf Leute, die belächeln, dass ich mich für Freie Software einsetze. Sie halten mein Engagement für unangebracht weil die Auswahl von Software aus ihrer Sicht eine reine Privatfrage ist. Wieso sollte es andere etwas angehen, welche Software sie persönlich benutzen, so lange sie keine Gesetze dabei brechen? Wieso verspüre ich überhaupt einen Antrieb ihnen ihren hübschen neuen Mac schlecht zu reden? Es schadet doch anscheinend niemandem wenn sie sich diesen harmlosen Luxus eines polierten Systems leisten, damit sie sich im Alltag nicht mit Dingen beschäftigen müssen, die ihnen lästig sind.

Das wirkt leider nur sehr oberflächlich betrachtet einleuchtend. Bloß weil unsere Handlungen vielleicht oft keine direkt sichtbaren Effekte haben, können wir noch nicht davon ausgehen, dass sie tatsächlich keine relevanten Folgen für andere haben. Rassistische Äußerungen, verändern beispielsweise auch erst mal nichts direkt. Aber sie unterstützten eine Dynamik, die problematische Auswirkungen hat und bestärkt jene, die andere auf Grund von sachlich irrelevanten Merkmalen verschieden behandeln. Respektlose Umgangsformen fördern Diskriminierung.

Ob wir uns für proprietäre oder Freie Software entscheiden, hat im Gegensatz dazu sogar direkt weitreichende gesellschaftliche Folgen. Persönliche Vorlieben sind sicher bei der Wahl von konkreten Alternativen mit den selben Grundvoraussetzungen bestimmend, aber eben nicht bei der Frage ob es proprietäre oder Freie Software sein soll, denn diese Wahl bestimmt nämlich noch deutlich mehr als nur unsere persönlichen Routinen.

Nur die Softwarewahl einer komplett isoliert arbeitenden Person wäre für andere bedeutungslos. Weil wir mit anderen interagieren, machen wir unsere Behinderungen durch proprietäre Produkte zu Einschränkungen der gesamten mit uns verbundenen Gemeinschaft. Beschränkungen behindern alle mit einander interagierenden Menschen. Da sich Gruppen auf gemeinsame Standards einigen müssen, um ihre Zusammenarbeit praktisch realisieren können, limitieren die Systeme mit den größten Einschränkungen die gemeinsam nutzbare Basis. Eine Kette ist eben nur so stark, wie ihr schwächstes Glied.

Selbst wenn in einer Gruppe nur eine einzige Person ein nicht offenes Dateiformat verwendet, müssen auch alle anderen auf das damit verbundene proprietäre Programm wechseln. Diesen Umstand nutzt proprietäre Software aus. Die einzige Begründung jemals ein geheimes Dateiformat zu nutzen liegt in der Absicht, dass Dateien ausschließlich mit dem damit verbundenen Programm bearbeitbar sein sollen. Wenn das eigene Programm das einzige ist, dass die erstellten Dateien interpretieren kann, dann ist das eine eingebaute Garantie, dass niemand auf Alternativen ausweichen kann, sobald irgendeine Person in einer Gruppe das jeweilige Format bzw. Programm benutzt hat. Wenn also nicht alle das spezifische proprietäre Programm verwenden, ist eine effektive Zusammenarbeit unmöglich.

Leider wissen die meisten Leute nicht genug über Computer um überhaupt zwischen freien und geschlossenen Dateiformaten (und Protokollen) unterscheiden zu können, denn in der Regel können proprietäre Programme auch offene Standards lesen und schreiben während es freien Programmen rechtlich verboten ist und auch technisch gezielt schwer gemacht wird, die geheimen proprietären Formate zu interpretieren. Damit bieten proprietäre Programme auf den ersten Blick zwar mehr Möglichkeiten, aber diese größere Auswahl proprietärer Programme ist lediglich eine Scheinwahl, denn sie bietet unterm Strich nicht mehr sinnvolle Lösungen als vergleichbare freie Alternativen. Unfreie Programme bieten nur neben vernünftigen Optionen als Vorauswahl noch Fallen, die uns im Dienste einer unlauteren Bereicherung der anbietenden Unternehmen gegenseitig behindern. Die offenen Dateiformate sind in proprietären Programmen absichtlich nicht voreingestellt. Wir müssen sie beim Speichern erst explizit auswählen, wenn wir andere nicht sinnlos beschränken wollen.
Für uns gibt es jedenfalls keinen vernünftigen Grund überhaupt jemals ein geheimes Dateiformat zu verwenden, wenn auch offene Alternativen verfügbar sind. Wer nicht achtsam ist, erstellt in proprietären Programmen allerdings automatisch unfreie Dateien. Wenn es uns nicht gezielt darum geht anderen über von uns erstellte Dateien das Leben schwer zu machen, gibt es keine vernünftigen Gründe Dateien in proprietären Formaten anzulegen. Im besten Fall ist es sinnlos (und umständlich) proprietäre Programme einzusetzen um damit offene Dateien zu erstellen. Meistens ist es aber leider sogar schädlich weil eben die behindernden Formate darin automatisch verwendet werden. Das bringt die meisten Menschen dazu unbewusst unfreie Dateien zu erzeugen – bloß weil sie sich nicht mehr als unbedingt nötig mit Computern befassen wollen.

Eines der Hauptprobleme ist diesbezüglich, dass derzeit die großen Softwareschmieden die Unternehmen, die Hardware verkaufen, vertraglich exklusiv binden. Es ist nur unter Mühen möglich funktionstüchtig vorkonfigurierte Systeme mit Freier Software zu kaufen. Weil die meisten Menschen durchschnittliche Anforderungen haben und sich nicht mit der Administration ihrer Werkzeuge befassen wollen, verwenden fast alle die vorinstallierten unfreien Systeme. Selbst wenn sie damit nicht weniger Schwierigkeiten als mit alternativen Systemen haben, können sie so zumindest vielleicht lange genug der unliebsamen Wartung ihrer Computer entgehen, bis sie sich einen Ersatz besorgen. Die meisten Menschen arbeiten ohnehin mit viel zu teurer Hardware, deren Kapazität weit über ihrem Anforderungsprofil liegt. Einerseits weil sie von Anfang an viel zu mächtige Hardware kaufen und andererseits weil sie einwandfreie Hardware viel zu schnell ersetzen bloß weil die vorinstallierte Software bald Probleme bereitet und sie lieber gleich ein neues Gerät kaufen als ihre bisherige Ausstattung in Ordnung bringen zu lassen.

Es ist jedenfalls eine ziemlich wahnwitzige Idee ein nur eingeschränkt funktionierendes proprietäres Programm zu kaufen (oder zu leasen) obwohl es für die selben Aufgaben auch freie Alternativen gibt, die gar keine solchen Beschränkungen haben können.

Die meisten unter uns sind es gewöhnt Aufpreise für Funktionen zu bezahlen, die technisch sowieso gegeben wären, wenn die jeweiligen Unternehmen sie nicht aktiv beschränkt hätten, damit sie über eine Freigabe zusätzliche Einnahmen erzielen können. Darüber hinaus ist es asozial ein System mit zu tragen, das Möglichkeiten von der jeweiligen Kaufkraft abhängig macht.

Manche Firmen treiben das Spiel mit Beschränkungen und Gebühren in den letzten Jahren immer weiter. Teilweise nimmt das derart absurde Ausmaße an, dass sogar eingefleischte Fans der Produkte dieser Firmen das Spiel satt haben und beginnen Alternativen einzusetzen. Sie fühlen sich – zu Recht – ausgenutzt. Tragisch, dass beispielsweise Apple in den letzten Jahren trotz einer derartigen Politik Marktanteile dazu gewinnen konnte. Besonders befremdlich ist der Umschwung zu Apple vor allem in Kreisen, die sich sozial engagieren. Das Thema Softwareethik ist offensichtlich nicht bis zu ihnen durchgedrungen. Werbebudgets und hübsche Verpackungen kommen bei großteils unkundigen Leuten besser an als echte funktionale Vorteile. Aber das ist in einer Gesellschaft, in der Konsum und wirtschaftlicher Erfolg wichtiger als partizipative Ermächtigung und Gerechtigkeit sind, auch nicht erstaunlich.

Ein (vielleicht hübsches) Werkzeug, das uns gezielt behindert, ist kein brauchbarer Ersatz für ein funktionales Werkzeug, das uns alle technisch machbaren Handlungsoptionen gibt. Menschen, die sich mit Technik befassen, unterschätzen oft wie sehr die meisten Leute vor technischen Hürden zurück schrecken. Weil die Vorstellung ein System verstehen und in Ordnung bringen zu müssen, so abstoßend ist, sind viele bereit selbst die wahnwitzigsten Bedingungen zu akzeptieren, bloß um sich nicht näher mit Computern befassen zu müssen. Alles, was verspricht wartungsfrei einfach zu funktionieren, ist attraktiver als alles, was irgendeinen persönlichen Einsatz erfordert. Ganz egal wie verrückt die damit verknüpften Bedingungen und Kosten auch sein mögen.

Ich arbeite seit vielen Jahren zu Testzwecken immer wieder mit allen drei großen Plattformen und deswegen kann ich aus Erfahrung sagen, dass alle Ärgernisse verursachen. Die wesentlichen Behinderungen bei Microsoft und Apple sind aber Absicht. Deswegen besteht keine Hoffnung, dass sie jeweils behoben werden. Sie sind Teil des Grundkonzepts und werden sogar größer.

Bei Freier Software resultieren die häufigsten Probleme aus dem Umstand, dass Firmen sie ignorieren oder sogar gezielt behindern. Aber je mehr Menschen Freie Software einsetzen, umso reibungsloser funktioniert sie im Alltag. Bei den proprietären Programmen ist es genau umgekehrt: Je mehr sie benutzen, umso lückenloser können ihre Einschränkungen erzwungen werden. Wenn ein unfreies Produkt volle Marktdurchdringung hat, dann kann es uns trotz der Einforderung von grotesken Gebühren beliebig beschränken. Dann kann sich nämlich niemand mehr dem Monopol entziehen.

Geschlossene Formate zwingen zur Profitmaximierung Leuten die Nutzung bestimmter, absichtlich und unnötig beschränkter Programme auf. Das stört unser Ziel mit möglichst praktischen technischen Lösungen unser Leben zu erleichtern. Wenn wir die Optimierung von Software als Dienstleistung betrachten und Programme nicht als verkäufliche Produkte akzeptieren, können überall die besten Lösungen eingesetzt werden und wir können sie unsern jeweiligen Anforderungen beliebig anpassen (lassen).

Wir steigen wesentlich besser aus wenn wir kundige Leute für die Entwicklung neuer Funktionen bezahlen als wenn wir endlose Lizenzgebühren an Instanzen entrichten, denen unsere Anforderungen egal sind und die als einziges Ziel ihre Profitmaximierung verfolgen.

Es ist destruktiv eine Vorgehensweise zu unterstützen, die davon abhängt bestehende Lösungen zurückzuhalten. Wir sollten unsere Energie stattdessen in Projekte investieren, für die es noch keine Lösungen gibt.

Alle Softwareangebote, die nicht frei geteilt und weiterentwickelt werden können, sind aus meiner Sicht daher eine inakzeptable gesellschaftliche Behinderung, die wir nicht annehmen dürfen, wenn wir in einer fairen, konstruktiven Gemeinschaft leben wollen.

Alle, die proprietäre Software einsetzen, schaden der Allgemeinheit indem sie dazu beitragen, dass unser Gemeinwohl auch weiterhin absichtlich einem rücksichtslosen Profitstreben geopfert wird.

Gesunde Computernutzung ist möglich

Thursday, March 31st, 2016

Zahllose täglich lange Zeit am Computer arbeitende Menschen leiden unter den Folgen des vielen nahezu unbewegten Sitzens. Dabei gibt es schon lange keine technische Notwendigkeit mehr Computer nur über Maus und Tastatur oder Touchscreens zu bedienen.

Es existieren bereits Schnittstellen, die anhand von Kameras und spezifischer Software Gesten und sogar Mimik interpretieren können. Bekannt sind aber bisher nur rudimentäre Formen dieser Möglichkeiten über Spielkonsolen wie der Kinect geworden. Einzelne Versuche Technologien einzuführen sind kaum bekannt und zielen nicht auf eine Lösung des Bewegungsmangels in unserer Gesellschaft ab. Die Leap Motion ist ein nettes Spielzeug, das aber in seinem kleinen angepeilten Anwendungsgebiet noch kaum überzeugen kann. Und Motix versucht nicht mal ansatzweise ohne Tastatur – also ohne Schreibtisch – auszukommen.

Wie eine zumindest gestenbasierte Bedienung von Computern aussehen könnte, zeigt der Film Minority Report, wo der Hauptdarsteller auf diese Weise Videosequenzen analysiert. Auch eine wissenschaftliche Arbeit vom Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme der Universität Stuttgart nimmt auf diesen Film Bezug und der verfasser Nico Ploner untersucht darin die Möglichkeit einer Gestensteuerung für Powerwall-basierte Visualisierungen.

Dem entsprechend ist eigentlich kaum zu rechtfertigen, dass so viele Menschen weiterhin unter Bewegungsmangel leiden, bloß weil sie bei ihrer Arbeit täglich viele Stunden lang Computer nutzen müssen.

Der aktuelle Standard

Dabei ist die traditionelle Bedienung von Computern über Maus und Tastatur kein naheliegendes Konzept, dass uns Menschen grundsätzlich intuitiv erscheinen würde. Allein schon die Steuerung eines Mauspfeils erfordert viel Übung weil wir dazu erst lernen müssen die Wirkung unserer Bewegungen an einer anderen Stelle zu erwarten als wir sie durchführen. Wir alle haben anfangs nur langsam und hoch konzentriert tippen können. Erst durch die viele Übung haben wir den Eindruck gewonnen, dass diese Art der Textbearbeitung selbstverständlich und hochgradig effizient ist.

Wir erledigen an Comptern mittlerweile zweifellos wesentlich mehr als nur die Bearbeitung von Texten. Jenseits von Textverarbeitung erleben wir unsere konventionellen Schnittstellen allerdings nur selten als optimal. Zum Zeichnen und Malen verwenden wir lieber Stifte und für viele andere Aktivitäten erscheinen Maus und Tatsatur ohnehin wie ein enger Käfig. Stellen wir uns einmal elektronisches Musizieren und die Gestaltung von dreidimensionalen Umgebungen über sinnvolle Gesten vor! Welche Erleichterung haben beispielsweise Touchscreens gebracht, wenn es um das Skalieren von Bildschirmdarstellungen geht? Heutzutage erscheint seltsam, dass noch irgendwo Schaltflächen für diese offensichtlich mit einer Geste viel besser steuerbare Funktion gebraucht werden.

Unsere Physionomie erlaubt uns grundsätzlich wesentlich vielfältigere Bewegungsabläufe als nur die rasche und präzise Bewegung unserer Finger. Leider wird dieses Potenzial von Computerschnittstellen bisher nicht genutzt. Mit dem Wachstum des Anteils jener Zeit, in der wier Computer nutzen, verkümmert unsere angeborene Bewegichkeit. Das ist nicht nur eine bedauerliche Verschwendung, sondern der chronische Mangel an Bewegung macht uns auf Dauer Krank und verursacht sehr vielen Menschen chronische Schmerzen, die nur ein Teil der Betroffenen wieder überwinden kann.

Angesichts dieses volkswirtschaftlich höchst relevanten Faktors, der die Krankenkassen stark belastet, ist es daher sehr erstaunlich, dass es mir bisher bei meiner Recherche nicht gelungen ist konkrete Projekte zu finden, die sich mit dieser Thematik befassen.

Wo ist die Expertise?

Es gibt bereits seit vielen Jahren Forschung im Bereich der computerisierten Erkennung von Gestik und Mimik. Doch wird dies bisher nicht in Kontext mit einer generellen Computernutzung gesetzt. Vor allem fehlt es an einem Ansatz eine sinnvolle und effiziente Steuerung eines Betriebssystems jenseits von Zeigegeräten oder akustischer Spracherkennung. (Spracherkennung ist zweifellos ein spannendes Feld. Allerdings hat akkustische Sprache den großen Nachteil, dass sie schnell Lärm erzeugt, wenn sie viele Menschen auf engem Raum praktizieren und dass sie in vielen Aspekten eher umständlich ist. Bewegungen einigermaßen genau zu beschreiben, ist beispielsweise wesentlich mühsamer, als sie einfach auszuführen.)

Es gibt auch bereits die Möglichkeit über ein Monitoring unserer Augenbewegungen einen Cursor zu steuern.

Es mangelt nicht an technischen Möglichkeiten

Aus den mir bekannten technischen Möglichkeiten schließe ich, dass eine Bewegungsbedienung von Allzweckcomputern derzeit nicht an den technischen Möglichkeiten scheitert. Es fehlt viel mehr an Leuten die das gesellschaftliche Problem des allgemeinen Bewegungsmangels auf diese Weise anpacken.

Die größete Herausforderung in diesem Kontext scheint mir die Entwicklung einer internationalen, einigermaßen intuitiven “Bewegungssprache” zu sein, die möglichst leicht von Computern interpretiert werden kann und die die physionomischen Möglichkeiten unseres Bewegunsapparates ebenso berücksichtigt wie fördert und vielleicht sogar erhöht.

Gebärdensprache scheint auf den ersten Bilck eine naheliegende Grundlage für die Erfüllung der Anforderungen zu sein. Allerdings ist die Gebärdensprache für eine wirkliche Nutzung unseres Bewegungsapparates zu beschränkt. Sie nutzt immerhin nur Handbewegungen und Mimik. Für die Erfüllung der angepeilten gesundheitlichen Wirkung der Bewegungsbedienung müssen wir unseren gesamten Körper einbringen. Abgesehen davon gibt es leider nicht eine internationale Gebärdensprache, sondern viele verschiedene, die nicht mit einander kompatibel sind.

Das Ziel

Meine Vision ist ein Amt in dem Menschen zumindest teilweise turnen bzw. tanzen, anstatt permanent zu sitzen.

Damit eine Bewegungssteuerung im Alltag wirklich nützlich ist und Fuß fassen kann, muss sie ein offener Standard sein, der nicht von unerschwinglicher Hard- und Software abhängt.

Freilich müssen Individuen eine neu entwickelte Bewegunssteuerung erst erlernen, aber angesichts der gesundheitlichen Probleme, mit denen wir im Moment konfrontiert sind, lohnt sich der Aufwand garantiert sehr rasch.

Liste zu berücksichtigender Gedanken:

  • Die Basisbewegungungen sollten nicht zu schwer durchzuführen sein, damit auch weniger agile Menschen leicht mit Computern interagieren können.
  • Es ist wichtig einen möglichst vielfältigen Bewegungsablauf in der praktischen Arbeit zu kreieren. Einseitige Belastungen durch monotone Tätigkeiten sollen vermieden werden.
  • Zumindest die Grundlagen sollten möglichst intuitiv sein.
  • Die Steuerung soll nicht sprachabhängig sein. Die Bewegungssteuerung muss sprachneutral, also international funktionieren.
  • Es soll möglich sein neue “Befehle/Shortcuts” durch neue “Figuren” oder spezifische Bewegungsabläufe anzulegen.
  • Es ist wichtig flüssige Bewegungen zwischen verschiedenen Positionen machen zu können. Diese dürfen auch keine unabsichtlichen Befehle auslösen.
  • Das Grundkonzept von Steno könnte die Notwendigkeit zum Buchstabieren weitgehend unnötig machen.

Für das Projekt benötigte Expertisen:

  • Mensch (Physionomie, Sport, Tanz, Lernkonzepte)
  • Computer (Sensorik, Programmierung, Usability)
  • Sprache (Sprachaufbau, adaptionsfreudig und trotzdem leicht nachvollziehbar!)

Ich freue mich über Hinweise zu Menschen und Projekten, die sich ebenfalls mit dieser Thematik befassen.

Verhindert Totalüberwachung!

Thursday, January 14th, 2016
Gregor mans the information desk

Es ist leider nicht neu, dass laufend versucht wird, Bürgerrechte abzubauen und der Polizei erweiterte Ermittlungsbefugnisse einzuräumen. Üblicher Weise versuchen unsere politischen Vertretis das möglichst ohne große öffentliche Aufmerksamkeit durchzuziehen. Deswegen bin ich der Datenschutzorganisation AKVorrat sehr dankbar, dass sie aufmerksam war und das geplante Staatsschutzgesetz ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt hat.

Dieses Gesetz soll dem BVT umfassende neue Befugnisse einräumen. Das ist jene Institution, die auch bereits den Tierschutzprozess verursacht hat, indem sie Gesetze gebrochen und Gerichte gezielt fehlinformiert hat. Im Wesentlichen soll diese Institution nun zu einem Geheimdienst ausgebaut werden, der komplett losgelöst ohne richterliche oder staatsanwaltliche Genehmigung alle Personen überwachen kann, da die Einschränkungen so vage gehalten sind, dass sie praktisch bedeutungslos sind. Noch nicht mal im Nachhinein soll irgendjemand zuverlässig über die Aktivitäten dieser Institution informiert werden. Ihnen soll das Recht eingeräumt werden selbst alle Schweigepflichten zu übergehen, seien sie nun medizinisch, finanziell oder religiös. Was während dem Tierschutzprozess illegal betrieben wurde, soll nicht etwa abgestellt werden, sondern es soll nun erlaubt werden. Es ist klar, dass eine komplett intransparent im Geheimen agierende Institution, die beliebig Daten sammeln darf, eine große Versuchung darstellt missbraucht zu werden. In Anbetracht immer wieder aufgedeckter Skandale, müssten wir schon sehr naiv sein, um anzunehmen, dass dieser Missbrauch nicht auch umfangreich geschehen wird.

Schon vor Monaten habe ich die dazu gehörige Petition unterstützt und auch aktiv andere Menschen dazu aufgefordert, ebenfalls mitzumachen.

Weil bis Ende Jänner 2016 die Einführung dieses Gesetzes geplant ist, habe ich vor zwei Tagen die Gelegenheit genutzt Abgeordnete diesbezüglich möglichst bequem kontaktieren zu können, die der AKVorrat dankenswerter Weise zu dem Zweck eingerichtet hat.

Eine erste Erfahrung

Wie erwartet haben nur wenige geantwortet. Und bis auf eine Person waren es nur jene, die sich sowieso bereits öffentlich gegen dieses Gesetz ausgesprochen haben.

Diese eine Person hat mich allerdings wirklich veblüfft, weil sie im Brustton der Überzeugung, und offenbar ohne jeden Anflug von Scham, völlig unzutreffende Behauptungen von sich gab. Selbst wenn ich sie auf Widersprüche und Unsinnigkeiten hingewiesen habe, entzog sie sich mit rethorischen Tricks, anstatt darauf einzugehen. Entweder sie wollte mich damit gezielt verunsichern, oder aber sie glaubt diesen in sich widersprüchlichen Unsinn tatsächlich. In beiden Fällen bin ich schockiert eine solche Person im Nationalrat vorzufinden.

Weil vorher nicht klar war, dass ich diese Konversation veröffentlichen werde, habe ich aus Datenschutzgründen den Namen der Person anonymisiert. Um aufzeigen zu können, worauf andere engagierte Menschen gefasst sein müssen, ist es auch nicht nötig die Identität dieser Person im Vorfeld zu kennen.

Im Nachhinein betrachtet, wäre ich gerne sachlicher bzw. höflicher geblieben. Leider haben mich die Aussagen derart empört, dass ich mich zu wertenden Kommentaren und Formulierungen verführen ließ. Das hat es der Person dann leider auch leicht gemacht, die Konversation einseitig abzubrechen.

Die E-Mail-Koversation

On Mon, 2016-01-10 at 11:21, Franz Gratzer wrote:
Betreff: Bitte stimmen Sie gegen das neue Staatsschutzgesetz!

Sehr geehrte Person X!

Eine Institution, die im Verborgenen und ohne jede unabhängige Kontrolle bliebig BürgerInnen überwachen kann, ist mit einer Demokratie völlig unvereinbar.

Bitte stimmen Sie im Parlament klar gegen dieses Staatsschutzgesetz!

Mit freundlichen Grüßen
Franz Gratzer

On Mon, 2016-01-11 at 10:37, X wrote:

Ich bin da vollkommen anderer Meinung: das Staatsschutzgesetz bringt mehr Rechtsstaatlichkeit! Und es schützt Österreich vor terroristischen Angriffen!
LG X

On Mon, 2016-01-11 at 12:21, Franz Gratzer wrote:

Das müsen Sie mir erklären, Person X.

Wie kann unkontrollierbare Überwachung mehr Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit bringen? Das widerspricht jeder praktsichen Vernunft.

Wer kontrolliert jene, die sich über alle Menschenrechte hinwegsetzen können, indem sie niemandem Rechenschaft pflichtig sind und trotzdem alle Möglichkeiten haben?

Meiner Kenntnis nach gibt es international gar keine Hinweise dafür, dass Ihre Behauptung in Bezug auf den Schutz vor Terror zutrifft. Auch ist das völlig klar weil die Überwachung ja nur dabei helfen kann im Nachhinein möglicher Weise TäterInnen zu finden. Und auch das scheint bisher nicht zu klappen, wie viele Beispiele zeigen.

Die Opfer für die Zivilgesellschaft sind aber massiv und längst nicht so ungewiss.

Wie stellen Sie sich demokratische Prozesse vor, wenn alle Angst haben müssen, von der momentanen Elite völlig durchleuchtet zu werden und wenn völlig unklar ist, wer die gewonnenen Erkenntnisse wie verwenden kann?

Erschreckend, dass Sie mit solch einer Ansicht im Parlament sitzen könnnen.

Mit schockierten Grüßen,
Franz Gratzer

On Mon, 2016-01-11 at 11:28, X wrote:

Für mich ist erschreckend, dass sie zu solchen Schlussfolgerungen kommen, obwohl dies unsere Verfassung gar nicht zulässt. Daher: könnte es vielleicht sein, dass Sie ihre Meinung von jemand abgeschrieben haben, dem es nicht um Seriosität sondern um Stimmungsmache gegen die Demokratie in Österreich und in Europa ging?

LG X

On Mon, 2016-01-11 at 23:21Franz Gratzer wrote:

Sehr geehrte Person X!

“Für mich ist erschreckend, dass sie zu solchen Schlussfolgerungen kommen, obwohl dies unsere Verfassung gar nicht zulässt.”

Das ist leider ein schwaches Argument. Es wurden schon viele Unsinnigkeiten beschlossen, die später als verfassungswidrig wieder verworfen wurden. Und natürlich passiert das nur unter geeigneten Umständen.

Meinen Sie ernsthaft, dass eine Person in der selben Institution eine unabhängige richterliche Kontrolle ersetzen kann?

Und wollen Sie ernsthaft behaupten, dass diverse juristische ExpertInnen das alles bloß missverstehen und dem entsprechend unangemessene Kritik deponieren?

Mit freundlichen Grüßen
Franz Gratzer

On Tue, 2016-01-12 at 09:38, X wrote:

Ja, sie liegen hier leider vollkommen falsch! Die richterliche Kontrolle ist immer im Nachhinein. Wenn wir die im Vorhinein machen, wer kontrolliert dann danach??? So ist das Strafrecht seit Jahrzehnten aufgebaut und funktioniert perfekt! Und im Vorhinein werden die Massnahmen von einem rechtsschutzbeauftragten kontrolliert bzw. genehmigt dessen Bestellmodus eine noch viel höhere Kompetenz und Unabhängigkeit sichert als die eines Richters!!!
Nutze beschäftigen sie sich genau mit dem österreichischen Rechtssystem und übernehmen Sie bitte nicht Positionen die nur zur Destabilisierung Österreichs und der europäischen Union eingenommen wurden!!!

LG X
Von meinem iPhone gesendet

On Tue, 2016-01-12 at 12:34, Franz Gratzer wrote:

Werte Person X,

“Die richterliche Kontrolle ist immer im Nachhinein.”

Ist es möglich, dass Sie tatsächlich so ahnungslos sind, wie das ihre Zeilen nahe legen oder verbreiten Sie absichtlich gezielte Fehlinformationen um Menschen zu verunsichern, die besorgt den verheerenden Entwurf zum Staatsschutzgesetz kritisieren?

Ich kenne Maßnahmen, die Grundrechte von BürgerInnen verletzten, die in Österreich in der Praxis nur stattfinden dürfen, nachdem unabhängige RichterInnen das genehmigt haben. (Es mag Ausnahmen bei Gefahr in Verzug geben, aber was Sie behaupten, ist allgemein schlicht Unsinn.)

“Wenn wir die im Vorhinein machen, wer kontrolliert dann danach??? So ist das Strafrecht seit Jahrzehnten aufgebaut und funktioniert perfekt!”

In welcher Scheinwelt leben Sie eigentlich? Was funktioniert perfekt? Trotz richterlicher Genehmigungspflicht treffen RichterInnen immer wieder völlig verrückte Entscheidungen, die dann aber wenigstens klar dokumentiert sind und so wenigstens im Nachhinein angefochten werden können.

Im Entwurf für das Staatsschutzgesetz soll der Rechtsschutzbeauftragte noch nicht mal zwingend konsultiert werden, sondern lediglich wenn die ÜberwachungsbeamtInnen, das für angebracht halten. Es ist für die entsprechenden BeamtInnen dann also ein Leichtes ihre Aktivitäten komplett geheim zu halten – also auch gegenüber der Prüfungsinstanz.

“Und im Vorhinein werden die Massnahmen von einem rechtsschutzbeauftragten kontrolliert bzw. genehmigt dessen Bestellmodus eine noch viel höhere Kompetenz und Unabhängigkeit sichert als die eines Richters!!!”

Unglaublich, was Sie da von sich geben. Wenn eine Istitution (in konkreten Fall das Innenministerium) zwei Personen anstellt, von denen eine die andere kontrollieren soll, dann erdreisten Sie sich wirklich zu behaupten, dass diese Konstellation mehr Unbabhängigkeit gewährleisten würde als wenn eine im Vorfeld unklare Person einer komplett unabhängigen Institution mit ganz anderen Interessen diese Kontrolle übernimmt?

“beschäftigen sie sich genau mit dem österreichischen Rechtssystem und übernehmen Sie bitte nicht Positionen die nur zur Destabilisierung Österreichs und der europäischen Union eingenommen wurden!!!”

Bitte beherzigen Sie Ihre eigene Empfehlung! Der Unsinn, den Sie mit unzähligen Rufzeichen flankiert von sich geben, spottet ja jeder Beschreibung.

Die Stellungnahme der in Ihren Augen anscheinend “destabilisierenden” RichterInnenvereinigung hilft vielleicht dabei:

http://tinyurl.com/j2tqkdo

Fassungslos,
Franz Gratzer

On Tue, 2016-01-12 at 13:30, X wrote:

Sorry, aber sie sollten sich wirklich besser informieren… Die Auswahl des Rechtsschutzbeauftragten erfolgt nicht durch das Bmi. Bitte erkundigen sie sich!!
Und zur richterlichen Kontrolle: es ist so wie ich sage mit einer einzigen Ausnahme und diese widerspricht der Rechtssystematik!
LG X

On Tue, 2016-01-12 at 15:24, Franz Gratzer wrote:

Person X,

Sie ignorieren die wesentlichen Fragen und weichen ständig auf unwichtige Details aus. Soll es mehrere Rechtsschutzbeauftragte geben, die einem anderen Ministerium unterstellt sind als die ermittelnden Beamten? (Wenn ja: Wo steht das?) Und werden diese Rechtsschutzbeauftragten zufällig ausgewählt oder soll es Personen geben, die fix bestimmten Bereichen zugeordnet sind?

Wenn Ihrer Meinung nach nur in eine einzige Ausnahme eine vorherige richterliche Kontrolle bei Eingriffen in die Privatssphäre von BürgerInnen vorsieht, dann scheint fast alles in der Praxis Relevante unter diese Ausnahmeregelung zu fallen.

Die Notwendigkeit audiovisuelle Überwachungsmaßnahmen gegen bestimmte Personen vorher richterlich absegnen zu lassen und die Verhängung von Untersuchungshaften sind also Ihrer Logik nach die selbe Ausnahme? Wie nennen Sie diese erstaunlich umfassende Ausnahme?

Franz Gratzer

On Tue, 2016-01-12 at 20:10, X wrote:

Es ist besser wir lassen es… Unsere Auffassungen gehen zu sehr auseinander…
LgX

On Tue, 2016-01-12 at 23:29, Franz Gratzer wrote:

Sehr geehrte Person X,

na vielleicht versuchen wir lieber einen Neustart?

Es tut mir leid, wenn ich in der Hitze des Gefechts grob in meiner Wortwahl war.

Wenn auch Sie an die Möglichkeit einer sachlichen Diskussion zum vermitteln von Standpunkten glauben, dann bin ich bereit es noch einmal neu zu versuchen. An sich sind ja nur Diskussionen mit Leuten sinnvoll, die andere Auffassungen vertreten, denn andernfalls ist es nur ein Bestätigungskreislauf ohne Potenzial für neue Einsichten.

Vielleicht können Sie mir die folgenden Fragen konkret beantworten:

  1. Wieso denken Sie, dass Datenschutzbeauftragte sogar bessere Kontrolle als unabhängige RichterInnen sein können? Und wieso wurde zusätzlich zur datschutzbeauftragten Person bei der Regelung für die Lüftung des Bankgeheimnisses noch eine Richterliche Kontrolle eingerichtet, wenn doch die Datenschutzperson ohnehin eine qualitativ bessere Arbeit leisten kann?
  2. Sehen Sie nicht auch das Problem, dass nur wenige Überewachungen jemals nachvollziehbar dokumentiert und kontrolliert werden wenn die jeweiligen BeamtInnen nach eigenem Ermessen entscheiden können ob sie die datenschutzbeauftragte Person überhaupt konsultieren sollten?
  3. Sehen Sie nicht auch das Problem, dass ein kritisches zivilgesellschftliches Engagement heikel sein kann, wenn Daten gesammelt und aufgehoben werden, die später vielleicht einmal missbraucht werden können, einfach weil sie da sind und eine große Motivation dafür bestehen kann?
  4. Worin konkret sehen Sie Irrtümer in der Kritik, die der AKVorrat in seiner Stellungnahme anmeldet?:

    http://akvorrat.at/sites/default/files/Stellungnahme_PStSG_AAA.pdf

Mit freundlichen Grüßen
Franz Gratzer

Fazit

Es ist offenbar nicht möglich alle Leute über vernünftige Argumente zu erreichen, aber wir haben zumindest die Chance unseren Teil dazu beizutragen in Zukunft nicht völlig unkontrolliert von einer beliebig geheim instrumentalisierbaren Behörde ausspioniert zu werden.

Bitte helft mit und kontaktiert unsere Vertretis im Parlament bzw. unterstützt die diesbezügliche Petition, falls Ihr das nicht schon getan habt!

Es ist im Übrigen in Betreffzeilen der E-Mails sicher empfehlenswert einschlägige Begriffe wie “Staatsschutzgesetz” oder “Überwachung” zu vermeiden, da die angeschriebenen Personen sicher schnell Mailfilter einrichten, die Nachrichten mit solchen Begriffen im Betreff automatisch von ihrem Posteingang fern halten.

Freiheit ist kein Widerspruch zu fairer Entlohnung!

Monday, March 2nd, 2015

Es geht bei Freier Software und Freier Kultur um Freiheiten, nicht um Kosten.

Das scheint leider oft unterzugehen. Auch Leute, die an Freiheit glauben, haben den Anspruch zu überleben. Nur wenige, die sich für Freiheiten in unserer Gesellschaft einsetzen, haben den Luxus besonders wohlhabend zu sein oder für ihr Überleben nicht arbeiten zu müssen.

Leute, die beispielsweise an Freier Software arbeiten, tun das oft als Job. So entsteht vermutlich sogar am häufigsten Freie Software. Nur wird nicht jede Software mit der Absicht entwickelt anschließend Kopien oder Nutzungslizenzen zu verkaufen. Die meisten Programme werden als Auftragsarbeiten erstellt weil Leute Lösungen für Anforderungen haben wollen. Programmierer werden dabei als Dienstleister konsultiert. Der Verkauf von etwaigen Produkten spielt dabei keine Rolle. Sobald das Programm erstellt ist, ist die Arbeit finanziert und niemand hat etwas verloren, wenn fortan alle es nutzen und darauf aufbauen können. Nicht umsonst gehen selbst die weltweit führenden Softwareunternehmen immer mehr dazu über sich an Freier Software zu bedienen.

Profit trotz Freier Software

Es ist kein Zufall, dass Apple OSX auf Freier Software basierend entwickelt hat, da es einfach zu teuer gewesen wäre das Rad – in brauchbarer Qualität – völlig neu zu erfinden. Genau das wäre aber nötig gewesen, wenn sie sich nicht der umfangreichen offenen Quellen der Berkley Software Distribution bedient hätten. Im Gegensatz zu den meisten Freie Software Lizenzen lässt es die BSD-Lizenz zu, dass von der unter ihr lizensierten Software abgeleitete Werke proprietär (=unfrei) vermarktet werden. Deswegen hat Apple gerade diese Quelle angezapft.

Google ist vermutlich das prominenteste Beispiel für ein Unternehmen, dass sich mitten in die Freie Software Szene gesetzt hat und dabei zu einem der einflussreichsten Weltkonzerne wurde. Es ist bemerkenswert wie es dieses Unternehmen geschafft hat Freie Software auf eine Art und Weise zu nutzen, die es zu einem mit Apple vergleichbaren Konzern machen konnte obwohl sie noch nicht mal den billigen Apple-Weg genommen haben und tatsächlich Dinge nutzen, deren Ableitungen ebenfalls wieder öffentlich allen zugänglich sein müssen. Offensichtlich sind Freie Software und immenser wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch.

Ressourcenmanagement

Das große Problem mit einer Werknutzung, die unfrei ist, betrifft ihre Skalierbarkeit: Je komplexer die Projekte werden, umso mehr Aufwand bedeutet es nicht auf den bereits erarbeiteten Grundstock aufbauen zu können. Alle, die den Zugriff auf Werke jedweder Art beschränken, verarmen faktisch uns als Gesellschaft. Das ist aus meiner Sicht weder erstrebenswert noch notwendig.

Es ist genau genommen ziemlich dämlich bereits erarbeitete Lösungen nicht ausbauen und verbessern zu können, bloß weil wir uns als Gesellschaft aus einem irregeleitetem Bestreben um Gerechtigkeit daran hindern. Es ist offensichtlich wesentlich vernünftiger die Entwicklung begehrenswerter Lösungen zu fördern ohne dabei den Großteil der Menschheit zu beschränken und einige wenige überproportional reich zu machen, die sich dann zu allem Überfluss auch noch gegenseitig in Machtkämpfen über Patentrechtsklagen behindern.

Das Konzept, dass jemand etwas erstellt um anschließend nur jenen die Nutzung zu erlauben, die dafür bezahlen, ist lediglich eine Herangehensweise unter vielen. Erschwerend kommt hinzu, dass Institutionen und Individuen, die dieses Konzept verfolgen, in der Regel sehr schnell der Versuchung erliegen absichtliche Beschränkungen zu nutzen um noch mehr Gewinn erwirtschaften zu können. (Zum Beispiel das Vermeiden offener Standards und die damit beabsichtigte Erschwerung Alternativen einzusetzen oder der Einsatz von DRM-Mechanismen, die sogar offen den Austausch bzw. die beliebige Nutzung von Daten behindert.) Das ist üblicher Weise nicht im Interesse der Nutzer_innen. Als Nutzer bin ich nicht bereit mich – zu meinem eigenen Nachteil – auf das beschränken zu lassen, was einer anderen Instanz möglichst viel Profit beschwert.

Es steht selbstverständlich jedem frei Produkte mit beliebigen Einschränkungen auf den Markt zu bringen. Allerdings steht es mir auch frei sie abzulehnen und darauf hinzuweisen, was es bedeutet solche Produkte zu nutzen und dass ich das für eine unvorteilhafte Idee halte – selbst dort, wo das auf den ersten Blick bequemer zu sein scheint.

Persönliches Überleben

Ich bin selbst Grafiker. Dem entsprechend kenne ich natürlich die Situation, dass meine Arbeiten ein Eigenleben entwickeln können von dem ich mir nichts kaufen kann. Dennoch halte ich den Versuch meine kreativen Werke irgendwie in verkäufliche Einheiten zu zwängen für einen folgenschweren Irrtum. Meiner Meinung nach ist es selbstverständlich, dass alles, was ich irgendwann veröffentlicht habe, nicht mehr unter meiner Kontrolle steht. Versuche später noch beschränken zu wollen, was andere damit tun, greift aus meiner Sicht zu weit in unsere Freiheiten ein und behindert unsere gesamte Gesellschaft erheblich.

Wir agieren nie aus einem Vakuum. Je allgemeiner verfügbar wir unsere Kultur halten, umso reichhaltiger ist unser aller Angebot an Ressourcen, seien es Inspirationen oder auch materielle Güter. Aus meiner Sicht ist jeder Versuch Exklusivität zu erzwingen eine völlig ungerechtfertigte Angst zu kurz zu kommen.

Ich bin sehr froh über Plattformen auf denen Urheber ihre Werke veröffentlichen und frei zur Verfügung stellen können. Die Wikipedia muss niemandem mehr vorgestellt werden. Lange wurde behauptet die Qualität wäre zu schlecht für die alltägliche Verwendung. Doch inzwischen ist klar, dass sie für die meisten Bedürfnisse durchaus ausreichend ist. Und auch – inzwischen kaum noch vorhandene – unfrei erstellte Enzyklopädien glänzen nicht zuverlässig durch Qualität oder Neutralität.

In meinem Alltag erstelle ich immer wieder Vektorgrafiken, die ich in verschiedenen Gestaltungen brauche und online nicht finde. Wann immer ich solche Grafiken erstelle, lade ich sie auf Seiten wie der open clipart library hoch. Nicht alle Werke dort entsprechen allen Anspürüchen, aber letztlich hat dieses Archiv mir schon unzählige Stunden Arbeit erspart. Wieso sollte ich eine Grafik auch noch einmal neu erstellen, wenn sie bereits jemand anders in einer für mich brauchbaren Weise erstellt hat? Es gibt genügend Herausforderungen. Wir müssen uns keine zusätzliche Arbeit machen, um beschäftigt zu sein. Ähnlich toll sind freie Fotoarchive wie morguefile oder Archive mit freier Musik wie Jamendo.

Nicht immer ist es ein unmittelbarer Vorteil eigene Arbeiten anderen zur Verfügung zustellen, aber die angesammelte Vielfalt an Inhalten nützt letztlich auch mir – selbst wenn mir das vorest nicht direkt Geld bringt.

Es war einmal und ist nicht mehr …

Es ist durchaus sinnvoll Bücher zu verkaufen, so lange es für andere aufwändiger wäre sich selbst Kopien vergleichbarer Qualität anzufertigen. In diesem Szenario war es einstmals ein Dienst für die Allgemeinheit Kopien zu drucken und diese zu relativ günstigen Preisen zu verkaufen, da kulturelle Werke auf diesem Weg mehr Menschen zugänglich gemacht werden konnten. Dieses Spiel gilt mit den aktuellen Technologien nur noch selten. Datenträger oder Lizenzen jedweder Art zu verkaufen ist eine Sackgasse weil wir mit unseren heutigen Technologien die Dienstleistung der Bereitstellung von Kopien absolut nicht mehr brauchen. Es ist ziemlich absurd für etwas zu bezahlen, was wir gar nicht haben wollen. Noch dazu wenn wir selbst bessere Kopien erstellen können, denen keine gezielten Beschränkungen anhaften.

Im Laufe der Geschichte hat sich die Idee etabliert, dass nicht die Dienstleistung der Erstellung einer Kopie bezahlt wird, sondern die Arbeitszeit der Person, die das Original produziert hat. Doch genau genommen ist das selten der Fall. Firmen, die Kopien vermarkten wollten, haben Verträge mit Urhebern geschlossen, von deren Werken sie sich versprachen viele Kopien zu guten Preisen verkaufen zu können. Die Verträge mit den Urhebern waren praktisch völlig losgekoppelt vom tatsächlichen Erlös durch den Verkauf von Kopien. Die Entlohnung für die kreative Leistung hatte nichts mit dem Vertrieb von Kopien zu tun. Dem entsprechend schauten Urheber bei besonders guten Verkäufen durch die Finger. Sie konnten bestenfalls hoffen beim nächsten Mal in den Verhandlungen mit einem höheren Marktwert zu punkten…

Geld für offizielle Kopien zu verlangen, die kein Mensch braucht weil jeder selbst ohne relevante Kosten Kopien erstellen kann, gleicht einer Schutzgelderpressung: Wenn Du mir kein Geld für eine unerwünschte Dienstleistung bezahlst, dann werde ich Dich verklagen. Wenn Du meine überflüssige Dienstleistung nicht in Anspruch nimmst, mache ich Dir das Leben schwer!

Durch eine künstliche Verkrüppelung unserer Technologien (DRM) und rechtliche Grotesken soll verhindert werden, dass wir in unserem eigenen Interesse agieren können. Von immateriellen Gütern können beliebig viele Kopien erstellt werden ohne dass dabei irgendjemand weniger hat. Die Idee über die Vermarktung von Kopien Geld zu verdienen ist in vielen Bereichen schlicht nicht mehr zeitgemäß und stirbt hoffentlich rasch aus, da ihre zwanghafte Aufrechterhaltung uns zu völlig verrückten Maßnahmen zwingt.

Es war noch nie so, dass der Verkauf von Kopien die einzige Möglichkeit gewesen wäre kreative Arbeit zu finanzieren. Über eine lange Zeit hinweg war das in vielen Bereichen technisch schlicht nicht machbar. Zweifellos haben wir uns an diese Idee inzwischen trotzdem gewöhnt. Dennoch wage ich zu behaupten, dass alle, die auch jetzt immer noch darauf beharren, es zunehmend schwer haben werden. Es ist wesentlich vielversprechender die veränderte Realität anzuerkennen und andere (vielleicht sogar neue) Wege zu beschreiten. Der Verkauf von Kopien digital darstellbarer Information wird zwangsläufig sterben weil er in krassem Widerspruch zur technologischen Realität der Gegenwart steht.

Exkurs: Leistung und Gegenleistung

Zusätzlich halte ich allgemein das Konzept von Leistung für Gegenleistung für problematisch, da es unser Wirken von seinem Zweck entkoppelt. Für uns ist dann nicht mehr relevant, was wir tun, sondern nur noch, was wir dafür bekommen können. Das führt zu zahllosen Aktivitäten, die hochgradig problematisch sind. Verkürzt gesagt: Alles, was niemand ohne Gegenleistung erledigen will, sollte vermutlich besser nicht getan werden. Deswegen arbeite ich so wenig wie Möglich gegen Geld und so viel wie möglich für Projekte, die ich um ihrer selbst Willen unterstütze. Ich möchte nicht gegen wesentlich besser bezahlte Arbeitsplätze tauschen – auch wenn ich dann garantiert mehr Freizeit hätte und vermutlich größeres öffentliches Ansehen genießen würde.

Bereits vor vielen Jahren habe ich – ohne finanzielle Zukunftsperspektiven – eine sehr gut bezahlte Stelle in einem angenehmen Umfeld in einem aufstrebenden Unternehmen gegen hauptsächlich ehrenamtliche Arbeit getauscht. Ich habe es nie bereut. Es handelt sich definitiv um eine meiner besten Entscheidungen bisher. Aber dabei geht es nun wirklich nicht mehr um Freie Software, oder um offene Standards und Freie Kultur …

Mehr dazu

Allen, die auch Tipps zu wirklich tollen Büchern über Freie Kultur und Freie Software lesen möchten, denen empfehle ich meinen Bericht von einem Workshop, den ich 2013 am Solidarische Ökonomie Kongress gehalten habe. Am rechten Rand habe ich in diesem Bericht ausgezeichnete Freie Bücher verlinkt.

Darum lieber Freie Software

Saturday, March 1st, 2014

Dies ist eine Replik auf Jens Starks Artikel: 7 Gründe gegen Open Source Software, vom 27. Februar 2014.

Vorwort

Ich kann gut nachvollziehen, sich einem Krieg der Ideologien entziehen zu wollen. Es ist löblich, die Stimme der praktischen Vernunft in einem ideologisch dominierten Feld sein zu wollen. Ich schätze diese Motivation. Dennoch finde ich Jens Starks Artikel schmerzhaft oberflächlich. Ich kann nicht umhin, mich zu fragen, was ihn wohl dazu bewegt haben mag, bei seinen Szenarien immer dann in der Gedankenkette aufzuhören, wenn gerade eine Idee gegen Freie Software zu sprechen scheint. Wenn er seine Gedanken weiterführen würde, hätte er ebenso gut die gegenteilige Aussage treffen können. Wieso hat er das also nicht getan? Ich weiß es nicht, aber ich möchte zumindest beschreiben, warum ich seiner Schlussfolgerung nicht zustimmen kann, dass er 7 Gründe gefunden hätte, die gegen Open Source Software sprechen.

Auch wenn manche das vielleicht als Hinweis auf eine starke ideologische Verblendung meinerseits sehen, werde ich im Folgenden Freie Software statt Open Source Software schreiben, da Jens Kritik vor allem auch deswegen zu kurz greift, weil sie die aus meiner Sicht essenzielle politische Komponente der Freie Software Bewegung übergeht. Viele Menschen, die sich auf Open Source beziehen, vernachlässigen die Bedeutung unserer Unabhängigkeit auf gesellschaftlicher Ebene völlig. Dies ist für mich Anlass, auf der Bezeichnung Freie Software zu beharren. Freie Software mag in der Praxis oft identisch mit Open Source Software sein, aber die verschiedenen Begriffe weisen auf unterschiedliche Motivationen hin.

1) Proprietäre Software ist einfacher für ungeübte Anwender?

Jede Softwareumstellung ist mühsam. Es spielt keine Rolle, ob von einer älteren auf eine neue Version oder auf eine komplett neue Software umgestiegen wird. Das hat nichts mit der Frage zu tun, welche Software einfacher ist.

Jenst Stark stellt treffend fest, dass für den Desktop-Einsatz nicht relevant ist, welche Software auf Servern läuft. (Wie einfach Netzwerke zu administrieren sind, sollte Leuten, die nur Arbeitsplätze benutzen, egal sein können.)

Ich bin zwar kein professioneller Administrator, aber ich habe immer wieder mit allen drei großen Betriebssystemen zu tun. Auch wenn es verlockend wäre, eines dieser Betriebssysteme als bedienungsfreundlicher herauszustreichen, so finde ich bisher keine überzeugende Grundlage dafür. Alle drei Systeme haben ihre Macken. Wo Windows völlig wirr und unlogisch wirkt, versteckt OSX die Komplexität schlicht. GNU/Linux ist dafür gelegentlich grafisch uneinheitlich präsentatiert, da Arbeitsabläufe oft über verschiedene, frei wählbare kleine Programme laufen, die auf anderen Systemen nur über fixe Einheitslösungen klappen.

Auf jeden Fall aber habe ich schon vielen Menschen bei Computerproblemen beigestanden und schon diverse Rechner neu eingerichtet. Meine Erfahrung ist durchwegs, dass Leute bei einem Umstieg auf irgendein anderes System ängstlich sind und sich beklagen, weil sie sich nicht immer unmittelbar zurecht finden, da manche Dinge anders funktionieren. Dabei spielt es in der Praxis keine Rolle, von welchem System auf welches andere System sie wechseln.

Zweifellos gibt es Freie Systeme, deren Qualitäten in Hinsicht auf Anpassungsfähigkeit, Ressourcenschonung oder kompromisslose Freiheit meist nur sehr Technik affine Leute schätzen können, aber meiner Erfahrung nach haben nicht so versierte Leute beispielsweise mit dem Umstieg von einer älteren Windows-Version auf eine neuere oft sogar mehr Schwierigkeiten als mit einem Umstieg auf ein komplett freies System, das eben kein Spezialklientel bedient. Häufig ist allein der Umstieg von einer älteren MS-Office Version auf eine Neuere ein Desaster für die Betroffenen.

Ich bin allgemein kein Fan von Textverarbeitungsprogrammen, die sich an Microsoft Office orientieren, aber freie Alternativen wie Libre Office sind meiner Erfahrung nach in der Regel auch in aktuellen Versionen für Umsteigende nachvollziehbarer als die massiv veränderten neuen Versionen der Microsoft Produkte.

2) Die Macht der De-Facto-Standards spricht für proprietäre Software?

Zwischen verschiedenen Programm-Versionen proprietärer Programme bestehen oft größere Kompatibilitätsprobleme als zwischen proprietären und freien Programmen.

Viele erwarten sich von proprietären Lösungen, dass zumindest alles in bester Ordnung ist, so lange sich niemand erdreistet, Alternativen zu den ursprünglich genutzten proprietären Programmen einzusetzen. Die Praxis zeigt allerdings ein anderes Bild, da die Unternehmen natürlich nicht nur einmal eine einzige Programmversion verkaufen wollen. Um sicherzustellen, dass Menschen, die ihre Produkte benützen, auch weiterhin Geld bei ihnen ausgeben, beinhalten neue Programmversionen nicht nur neue Funktionen, sondern auch die Dateiformate werden geändert. Neue Funktionen sind anscheinend für viele Menschen nicht genügend Anreiz zu neuen Ausgaben. Vor allem dann nicht, wenn auch die älteren Versionen bereits alle für sie relevanten Funktionen geboten haben.

Bei Versionskonflikten zeigt sich die Rücksichtslosigkeit proprietärer Erpressungslogik besonders deutlich: Nur wer laufend in aktualisierte Versionen investiert, darf erwarten, (vorübergehend) mit dem Rest der Welt einigermaßen zuverlässig Daten austauschen zu können. Oft ist die Änderung zwischen Programmversionen sogar so gravierend, dass ältere Dateien mit der aktuellen Software nicht mehr sinnvoll nutzbar sind. Da aber aktuelle Betriebssysteme ältere Programmversionen gar nicht mehr unterstützen, ist ein ständiges Aufrüsten unvermeidbar. (Wen interessieren schon ältere Daten?)

Auch bei Freier Software gibt es manchmal grundlegende Weiterentwicklungen, aber ältere Programmversionen funktionieren auch auf aktuellen Systemen noch sehr, sehr lange. Der konsequente Einsatz offener Standards stellt darüber hinaus sicher, dass ältere Dateien in jedem Fall noch sinnvoll interpretiert werden können.

Es gibt aber tatsächlich gelegentlich – meistens bei nicht so stark genutzten erweiterten Funktionen – Inkompatibilitäten zwischen proprietären Programmen und freien Alternativen. Diese Inkompatibilitäten aber als Argument gegen Freie Software auszulegen, ist in Anbetracht der Hintergründe ähnlich geisteskrank wie alle zu verachten, die ausgegrenzt werden, und gleichzeitig jene zu unterstützen, die versuchen, uns selbst auf diese Weise auszugrenzen.

Proprietäre Programme setzen streng geheim gehaltene Dateiformate ein. Die produzierenden Unternehmen, bemühen sich also darum niemandem zu verraten, wie ihre Dateien aufgebaut sind, damit sie Konkurrenz ausschließen können. Wenn sie nämlich zulassen würden, dass auch andere Softwareschmieden oder die Freie Software Bewegung ihre Dateiformate ungehindert unterstützen können, würden sie Konkurrenz ermöglichen. Damit könnten sie niemanden mehr zwingen, ausschließlich ihre eigene Software einzusetzen.

Genau genommen ist es also nicht so, dass die tollen proprietären Softwareschmieden großartige Produkte schaffen, die alle beliebigen Dateiformate unterstützen können, sondern es ist im Gegenteil so, dass proprietär Geschäftstreibende alles daran setzen, den freien Austausch von Daten zu verhindern. Sie können natürlich problemlos alle offenen Standards der Freien Software Bewegung unterstützen, aber sie verhindern gezielt, dass andere ihre eigenen Formate interpretieren können.

Wieso sollte irgend jemand bei Verstand ein Dateiformat bevorzugen, das ausschließlich von einer Instanz unterstützt wird, obwohl daneben offene Standards existieren, die den beliebigen Austausch der Daten zwischen unzähligen Programmen und Plattformen ermöglichen? Nur Ahnungslosigkeit kann solch eine Wahl begründen.

3) Proprietäre Software bietet besseren Support?

Selbst wer Support bezahlen möchte, bekommt ihn bei proprietärer Software oft nicht, da niemand einspringen darf, wenn es die wenigen nicht tun wollen, die das dürften. Freie Software können dagegen alle supporten, die sich die Mühe machen.

Mir ist nicht ganz klar, woher der Mythos stammt, dass proprietäre Software besseren Support bieten würde. Vermutlich gehen die meisten Menschen instinktiv davon aus, dass das Vorhandensein einer einzelnen herausgebenden Instanz die Einforderung von Ansprüchen leichter machen würde. Wer sich jemals die Mühe gemacht hat, vor der Installation auch tatsächlich aufmerksam zu lesen, was in den Vertragsbestimmungen steht, kann nicht länger daran glauben.

Darüber hinaus haben proprietäre Unternehmen in der Regel klare Geschäftsfelder. Wer die Software entwickelt, ist selten auch für Support verfügbar. Unabhängige Support-Unternehmen haben keinen Grund, proprietäre Lösungen zu bevorzugen. Genau genommen ist es auch für sie leichter, Freie Software zu supporten, da sie das ohne bindende Verschwiegenheitsverträge einfach tun können.

Die meisten Programme sind schon längst nicht mehr so trivial, dass sie einzelne Personen völlig durchschauen könnten. Ein tief reichender, umfassender Support braucht also in der Regel mehr als eine Person. Mit freien Programmen kennen sich in der Regel deutlich mehr Menschen aus, als mit jeder beliebigen proprietären Lösung, die sich ja immer nur wenige ausgewählte Leute überhaupt ansehen dürfen. Dem entsprechend ist schon rein statistisch die Wahrscheinlichkeit deutlich größer, guten Support für Freie Software bekommen zu können.

Das Hauptproblem beim Support ist allerdings nicht die Frage, ob ein Programm frei oder proprietär ist, sondern ob es es Personen bzw. Institutionen gibt, die bereit sind, die zur Fehlersuche und Behebung nötige Arbeitszeit angemessen zu entlohnen.

Falls jene, die die entsprechende proprietäre Software herausgeben, kein Interesse am Support haben, ist schlicht kein Support verfügbar. Einer der großen Vorteile Freier Software ist dagegen der Umstand, dass einmal erarbeitete Beschreibungen öffentlich verfügbar gemacht werden können und frei weiter verwendbar sind. Das ermöglicht deutlich mehr Leuten, Hilfe zu leisten, da sich auf diesem Weg unvergleichlich viel mehr Dokumentation ansammelt, als für proprietäre Software. Es ist also garantiert leichter, Support für Freie Software Projekte zu finden.

4) Ist Software als Service das Selbe wie proprietäre Software?

Egal. Das spricht weder für noch gegen Freie Software.

Wer den Service nicht selbst hostet, muss anderen ebenso blind vertrauen, wie beim Einsatz proprietärer Software. Dieses Problem hat allerdings nichts mit der Frage zu tun, ob am Server proprietäre oder Freie Software eingesetzt wird. Dem entsprechend kann ich in dieser Feststellung kein Argument für oder gegen Freie Software erkennen.

Dieser Aspekt illustriert lediglich, wie wichtig Unabhängigkeit ist und dass es nicht zur Idee Freier Software passt, blind irgendwelchen Instanzen zu vertrauen. Der Interessenskonflikt ist vorprogrammiert, wo es um eine Abwägung zwischen Profitinteressen und Datenschutzerwägungen geht. Welches Unternehmen verzichtet tatsächlich auf Umsätze, nur um die Interessen anderer zu schützen? Rational denkende Menschen erwarten so etwas unter den gegebenen Rahmenbedingungen gar nicht erst.

5) Hat proprietäre Software bessere Hardware-Unterstützung?

Das hängt von der Hardware ab. Wer sich vorab informiert und bewusst einkauft, hat keine Schwierigkeiten.

Leider werden von mancher Hardware keine Spezifikationen veröffentlicht und die zur Unterstützung nötigen Schnittstellen-Informationen ausschließlich an ausgewählte proprietäre Softwareschmieden weitergegeben. In vielen anderen Fällen hat die Freie Software Gemeinde bessere Treiber zu Wege gebracht. Freie Software ist besonders bei älterer Hardware im Vorteil, da nützliche freie Treiber auch noch verbessert werden, wo proprietäre Geschäftskonzepte die Entwicklung eingestellt haben, weil kein ausreichender Profit mehr damit gemacht werden kann. Wer beispielsweise bereits einen zufriedenstellenden Drucker hat, wird sich freuen, nicht bei jedem Update einen Neuen kaufen zu müssen, bloß weil das neue System keine Treiber mehr dafür bietet.

Die Qualität proprietärer Treiber ist nicht immer sonderlich gut. Da die verwendete Hardware den Anforderungen angepasst sein sollte, kann schlechter Hardware-Support durch eine entsprechend sorgfältige Produktwahl aber in jedem Fall in den Griff bekommen werden.

Ich erlebe in meinem Umfeld bei vielen technisch weniger versierten Menschen die Tendenz, viel zu leistungsstarke/teure Hardware zu kaufen, die sie dann oft unvorteilhaft kombinieren und schlecht warten. Dem entsprechend beruhen die häufigsten Probleme auf schlechten Kombinationen, unvorteilhaften Konfigurationen und falscher Administration. Das sind Faktoren, die für proprietäre ebenso wie für Freie Software gelten.

Die größere Auswahl an aktueller Hardware, für die ausschließlich proprietäre Treiber existieren, entschädigt uns meiner Meinung nach nicht dafür, dass wir ohne offene Spezifikationen unmöglich wissen oder feststellen können, was genau mit unseren Daten passiert. Proprietäre Produkte dürfen sogar von Behörden meist nur sehr eingeschränkt überprüft werden. Wieso sollten wir blind nicht vertrauenswürdigen Instanzen vertrauen, wenn wir auch die Wahl haben, Produkte zu wählen, die garantiert keine für uns unvorteilhaften Prozesse ausführen, weil sie einer vollständigen öffentlichen Qualitätskontrolle ausgesetzt sind?

Ein Zusatzproblem, das im Grunde nichts mit Hardware-Support zu tun hat, sich aber ähnlich auswirkt, hat Windows 8 gebracht: Microsoft verlangt von allen, die Geräte mit diesem System vorinstalliert anbieten, dass sie SecureBoot unterstützen. Theoretisch schützt diese Technologie vor der Installation nicht autorisierter Software. Weil diese an sich vernünftige Idee aber meist auf eine Art umgesetzt ist, die es den meisten Menschen praktisch unmöglich macht das vorinstallierte Windows auf diesen Rechnern durch andere Systeme zu ersetzen, wirkt das wie eine technische Sperre aller Alternativen zum vorinstallierten System. Ich kann daher nur vom Kauf eines Rechners mit vorinstalliertem Windows 8 abraten.

6) Proprietäre Software bietet bessere Garantien, Haftung und Entschädigung?

Ob Absicherungen geboten werden, hängt nur von Verträgen ab. Ob Programme proprietär oder frei sind, spielt dabei keine Rolle.

Alle, die Software herstellen, versuchen, sich so gut wie nur irgendwie möglich vor Schadenersatzforderungen und ähnlichen Ansprüchen zu schützen. Ich habe noch keine Software angetroffen, in deren Lizenzvereinbarung auch nur annähernd die Eignung zur Erfüllung des offensichtlich geplanten Zwecks der Software versprochen wird. Zusätzlich stehen wirklich erstaunlich gewagte Verzichtserklärungen in diesen Verträgen. Viele davon sind offenbar – je nach national geltendem Recht – ohnehin hinfällig, aber alles, was nicht ausdrücklich verboten ist, gilt.

Wer besondere Absicherungen haben will, muss entsprechende Verträge aushandeln. Es gibt keinen Grund, weshalb der Einsatz Freier Software solche Vereinbarungen erschweren würde. Ähnlich wie beim Support ist allerdings auch hier mit Freier Software der Pool von Personen mit ausreichender Expertise deutlich größer.

7) Sind Unternehmen beständiger, die proprietäre Software herstellen?

Wieso sollte das so sein?

Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Softwareschmieden, die proprietäre Software erzeugen, zuverlässiger weiter bestehen, als Freie Software Projekte. In beiden Fällen sind kleine, unbekannte Projekte weniger durch Personen und Ressourcen abgesichert als große, bekannte. Der einzige Unterschied liegt in dem Umstand, dass Freie Software von allen aufgegriffen und weiterentwickelt werden kann, die das tun wollen. Bei proprietären Produkten besteht das Zusatzrisiko, dass sich die involvierten Instanzen auf keine für alle zufriedenstellenden Übernahmebedingungen einigen können.

Fazit

Jens Stark wollte eine Liste von Nachteilen Freier Software präsentieren. Bei näherer Betrachtung stellt sich allerdings heraus, dass er nur allgemeine Probleme unserer Informationstechnologie-Szene schildert, die auf proprietäre Software mindestens genauso zutreffen.

Nur sehr kurzfristig und oberflächlich betrachtet kann daher proprietäre Software als die bessere Wahl erscheinen. Abgesehen von der wesentlich größeren Vertrauenswürdigkeit durch die vollständige Offenlegung, ist Freie Software vor allem dort klar im Vorteil, wo langfristig zuverlässige Lösungen erwünscht sind, da sie auf offene Standards setzt, die auch dann noch zugänglich und interpretierbar sind, wenn sie sonst niemanden mehr interessieren.

Einfach geschlechtsneutral

Friday, August 23rd, 2013

Seit vielen Jahren bekümmern mich die höchst sperrigen Lösungen für eine geschlechtsneutrale Ausdrucksweise. Ganz egal ob es um Binnen-I, Unterstrich, Alternierende Geschlechtszuordnungen oder gar um die permanente Erwähnung beider Geschlechter geht: Nichts davon ist knapp oder einfach. Die meisten Ansätze lösen noch dazu nicht das selbe Problem beim Sprechen. Nur bei einem Geschlecht zu bleiben und dabei irgendwo zu erklären, dass damit trotzdem alle gemeint sind, ist aus meiner Sicht ebenfalls keine zufreidenstellende Lösung. (Wir können das Rad der Zeit nicht zurückdrehen und so tun, als hätten wir nie vom Baum der Erkenntnis genascht und würden das Problem gar nicht erst erkannt haben.)

Leider ist die deutsche Sprache mit völlig unnötigen Geschlechtszuordnungen geradezu gespickt.

Ich sehne mich nach einer wirklich geschlechtsneutralen Ausdrucksweise, die unsere Kommunikation nicht sperriger, sondern sogar einfacher macht.

Im Nachsinnen darüber bin ich ganz zwangsläufig auf die sächliche Form als neutrale Version gestoßen. Wenn wir statt neuen aufwändigen Konstrukten einfach für alle bisher unnötig geschlechtsspezifischen Formen ein simples Neutrum einsetzen, dann müssen wir weder die Grammatik ändern, noch zahlreiche neue Worte erfinden. Wir können dann einfach sächliche Artikel nutzen und sehr einfach wie bisher weiter machen:

Wo wir uns bisher auf Nutzer und Nutzerinnen bezogen oder einen einzelnen Nutzer bzw. eine einzelne Nutzerin ansprachen, könnten wir auch einfach von den Nutzis bzw. dem Nutzi sprechen.

Freilich klingt ein i als Endung statt er oder erin vorerst ungewohnt, aber diese Form ist extrem leicht zu bilden und eindeutig weder männlich, noch weiblich. Auch die Mehrzahl mit einem angehängtem s ist völlig regelmäßig und unkompliziert zu bilden. Da dabei ganz gewöhnlich die sächlichen Artikel verwendet werden können, brauchen wir für eine großflächige Anwendung der neuen geschlechtsneutralen Ausdrucksweise tatsächlich nicht mehr als für alle geschechtsspezifischen Begriffe ein sehr einfach gebildetes Neutrum zu verwenden. (Natürlich können manche neutrale Formen schwerer als andere gebildet werden, aber es sollte absolut kein Problem sein, hier eine allgemeine Empfehlung zu definieren.)

Beispiele:

neutrum (Mehrzahl) männlich (Mehrzahl) weiblich (Mehrzahl)
das Richti (die Richtis) der Richter (die Richter) die Richterin (die Richterinnen)
das Baui (die Bauis) der Bauer (die Bauern) die Bäurin (die Bäuerinnen)
das Arzti (die Arztis) der Arzt (die Ärzte) die Ärztin (die Ärztinnen)
das Heiligi (die Heiligis) der Heilige (die Heiligen) die Heilige (die Heiligen)
das Chefi (die Chefis) der Chef (die Chefs) die Chefin (die Chefinnen)

Ich kann nicht erwarten einen neuen Standard zu definieren, aber ich werde diese Formulierung testweise einsetzen und in der Praxis prüfen auf welche Schwierigkeiten ich damit stoße.

Ist proprietäre Software sittenwidrig?

Thursday, August 22nd, 2013

Aus aktuellem Anlass habe ich mich etwas mit der Rechtslage zum Thema Sittenwidrigkeit in Österreich befasst.

Dabei ist mir im AGBG § 879 folgender Text aufgefallen:

(3) Eine in Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder Vertragsformblättern enthaltene Vertragsbestimmung, die nicht eine der beiderseitigen Hauptleistungen festlegt, ist jedenfalls nichtig, wenn sie unter Berücksichtigung aller Umstände des Falles einen Teil gröblich benachteiligt.

Ist es eine Hauptleistung proprietärer Software, intransparent, unnachvollziehbar und nicht anpassbar zu sein? Aus meiner Sicht benachteiligen übliche Nutzungsverträge für proprietäre Software bzw. Dienste ihre Benutzis gröblich. Es ist immerhin klar nicht im Interesse von Nutzis, ohnmächtig der Willkür anderer ausgeliefert zu sein, besonders weil digitale Datenverarbeitung mittlerweile ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Alltages ist.

Wie kann es den guten Sitten entsprechen, uns durch Nutzungsverträge derart weitreichend einzuschränken, dass wir keine Chance mehr haben, tatsächlich jene Zwecke zu erfüllen, die uns ursprünglich dazu motivierten, überhaupt einen entsprechenden Vertrag schließen zu wollen? Wer entscheidet sich absichtlich, einen Computer oder einen Service zu nutzen, der ihm keine Privatsphäre erlaubt?

Garantiert will die überwiegende Mehrheit Computer einsetzen, über deren Aktivitäten sie selbst bestimmen kann. Wir holen uns nicht absichtlich ferngesteuerte Drohnen ins Haus, die uns zwar wechselnde fremdbestimmte Interaktionen erlauben, aber eben auch systematisch unsere persönlichen Daten Unbekannten übermitteln.

Die starken Reaktionen auf das Bekanntwerden der groß angelegten Überwachung verschiedener Institutionen (Schlagwörter: PRISM, INDECT, Snowden, …) illustrieren deutlich, wie empört die meisten Menschen über diese Vorgänge sind.

Sie könnten nicht derart empört sein, wenn sie sich wissentlich auf diese Bedingungen eingelassen hätten. Die Fernseuerung und Datenweiterleitung ist offensichtlich in den meisten Fällen keine Hauptleistung der Nutzungsverträge, aber eindeutig zum Nachteil aller, die diese Programme und Dienste nutzen.

Gemäß AGBG § 879 [3] handelt es im Falle proprietärer Software und entsprechenden online Diensten also ganz klar um Verträge, die als nichtig angesehen werden müssen.